 sondern seinen Rat; nicht den König, sondern
seine Majestät. Das Äußere und das Innere sind hier so verschieden, wie Leib
und Seele. - Den Leib kann der Geschichtschreiber töten, die Seele nicht. Hütet
euch vor dem, der Leib und Seele töten kann: Gott und seinem Stellvertreter,
dem Gewissen! - Sandkörner machen den Berg, Minuten das Jahr, flüchtige Gedanken
ewige Taten. Haltet nichts für Kleinigkeiten, denn der Geschichtschreiber geht
umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. - Wer ist, der
nicht ein tönend Erz und eine klingende Schelle wäre, seinen Panegyriker suchte
und ihn fände? Wer schließt sich nicht an Umstände an? und was ist wahr und was
ist Zusatz an ihm? - Wo gibt es einen Umstand, der sich selbst wahr macht, der
selbständig ist? Die meisten bedürfen anderer Umstände, welche hülfliche Hand
leisten. - Im Tun können wir andern Exempel geben, im Glauben nicht. Wir
glauben insgesamt; ein jeder glaubt anders. Glauben ist der Vernunft Analogon.
Dem schwachen Bruder hier beispringen, und wenn Vorurteile ihm über den Kopf
gewachsen sind, ihn davon befreien, heißt: ihn aufklären. Seine Kinder von einem
Matematiker bilden lassen heißt nicht: sie aufklären; wohl aber: praktisch gute
Menschen aus ihnen machen wollen! - Ihr, die ihr Romane verdammt und auf ihre
Kosten die Geschichte erhebt - wisst ihr, was ihr tut? Nicht die Sache, der
Schreiber ist euch zuwider und seine Unmanier. Geschichte heißt nicht Roman; ist
sie es aber nicht gemeiniglich? Die Vernunft richtet hier wie überall; sie kennt
Lagen und Augenblicke, in denen das Herz auch durch die feinste Überlegung
durchschimmert; sie, der Geist des Menschen, der in ihm ist, kennt sich und
kennt jeden einzelnen Menschen; und hier hat sie sich einen Faden angeknüpft,
dass sie auch das Labyrinth einer ganzen Gesellschaft durchwandeln und ohne sich
zu verwirren nach Hause kommen kann. Um die Welt reisen heißt: die Erde
umschiffen. Die Erde ist für den Menschen die ganze Welt, weil er nichts als nur
sie berühren kann, und wie lange kann sich ein Weltumreiser aufhalten? Das
menschliche Leben ist kurz und mit so vielen Schwachheiten durchkreuzt, dass
nicht viele Zeit zum Sehen und Hören übrig bleibt. - Durch Gläser sieht man den
Himmel und durch die Einbildungskraft Staaten und Völker. Einbildungskraft ist
ein Seelenglas; wir entwerfen Reisebeschreibung und Geschichte, je nachdem
Länder und Menschen Eindrücke auf uns machen, und noch sind wir nicht so weit
gekommen, die Einbildungskraft der Vernunft zu unterwerfen. Jene ist oft auf den
ersten Anblick mit allem fertig und greift dieser so unbescheiden vor, dass der
ruhige Leser bald sieht, woran er ist
