
er mit größerer Resignation, als viele, welche diesen Weg vor ihm gingen, den
Richtplatz bestiegen und der gnädigen Eva das hinterlistig zurückgehaltene Ja
mit christlicher Fassung vergeben und nicht vorbehalten hätte. »Was ist mein
Verbrechen?« sagte mit andern Worten der wohlselig Hingerichtete zu den
Umstehenden. »Verriet ich mein Vaterland? Sucht' ich Wittwen und Waisen in
falschem Justizspiel um das Ihrige zu bringen? Ward ich reich auf Kosten des
Dürftigen? Machte ich, wie Necker, Rechnungen ohne Wirt? Ward ich Minister,
weil ich eine schöne Frau hatte, oder weil mich der Kastrat, oder der Harfenist,
oder sonst ein bedeutender Hofschranze dem Monarchen empfahl? Verführt' ich
Weiber oder Töchter, indem ich Männer, Väter und Brüder durch Aemter und
Pensionen gewann oder einschläferte? Macht' ich einen Lahmen zum Ballet-, oder
einen Tauben zum Kapellmeister? Gab ich als Staatsdiener den Menschen auf? Der
Mensch ist schön, die Menschheit ist erhaben; nur ein Haufen Menschen, ein
Menschenkomplott, taugt gemeiniglich wenig oder gar nichts. - Vielleicht wird es
mit der Zeit besser, wozu indes unser guter Oberhofprediger und seine schwere
und leichte Infanterie und Kavallerie sicherlich nie etwas beitragen werden. -
Das Reich Gottes ist in euch, sagt der weiseste aller Lehrer auf Erden. - Ihr
wisst mein Verbrechen: ich fragte nicht, was sich von selbst verstand; ich
glaubte, dass unter Einem Ja, wie bei der Ehe, sich tausend Ja's von selbst
verständen; ich bedachte nicht, dass Weiber zwar nicht böse, indes neugierig
sind. - Ich fluche ihr nicht, der guten Eva der Oberwelt; ich segne sie
vielmehr. Sie ist keine aus der siebenten Bitte; ihr Fehler ist Leichtsinn: und
wer ist davon frei bei Lebhaftigkeit und Offenheit des Charakters -? Man frage
sie, was sie weiß! und ich gebe mehr als ein Leben hin (falls ich mehr als das
Eine hätte, dessen Faden man gewaltsam abzureissen im Begriffe steht), wenn sie
das mindeste gesehen hat. Ihr schönes, großes Auge ist viel zu stolz, um sich
sogleich in ein Schlüsselloch einpassen zu lassen. Brachte sie einen Nach-,
einen Diebsschlüssel in Anwendung? Bediente sie sich nicht vielmehr des allen
Weibern zustehenden Rechtes des Schlüssellochs, das ihnen wegen der Untreue der
meisten Ehemänner durchaus nicht zu entziehen ist? Ich sterbe, nicht weil die
Baronin gesehen hat, sondern weil sie hätte sehen können; so wie die meisten des
Beispiels halben zum Schaffot geführt werden - und diese sterben dann als
Heilige, als Märtyrer der Gesetze. So, Freunde, sterb' auch ich. Ich murre
nicht; ich danke meinen Richtern; sie taten, was sie zu tun schuldig waren;
