 zerstörte - um Leben und
unvergängliches Wesen der Tugend und Gottgefälligkeit ans Licht zu bringen.
    Er vergoss nur Tränen der Menschheit und Freundschaft bei dem Grabe des
Lazarus, und Tränen der Großmut und des edlen Mitleidens, weil die Menschen,
und besonders die Juden, die Finsternis mehr liebten, als das Licht; denn ihre
Werke waren böse.
    Gern hätte er das Licht der Wahrheit zuerst in Judäa angezündet; es blieb
aber vor den Augen der Juden verborgen.
    Im dreissigsten Jahre trat er als öffentlicher Lehrer auf. Zwar lehrte er nur
drei Jahre; doch ist die Welt durch ihn so belehrt, dass noch jedes
philosophische und politische System sein Vorbild im Evangelio suchet und
findet.
    Jerusalem tödtete ihn.
    Er hatte nicht, wo er sein Haupt hinlegte.
    Seine zwölf Jünger nahm er aus der Klasse des gemeinen Mannes, und erwarb
sich keinen Phalaux durch Weltweisen. - Er liebte seine Jünger und seine Freunde
bis in den Tod, vergab seinen Feinden, und lehrte sie lieben und sie segnen, um
Kinder Gottes zu sein, dessen Sonne aufgehet über Böse und Gute, und der regnen
lässt über Gerechte und Ungerechte. - Sie wissen nicht, sagte er von seinen
Feinden, was sie tun. Seinen Liebling Petrus, den eine Magd aus der Fassung
brachte, ob er es gleich kurz vorher mit Malchus, dem Knechte des damaligen
Hohenpriesters, anband, sah er nach einer dreimaligen Verläugnung an; und dieser
ging hinaus - und weinte bitterlich.
    Hätten Se. Heiligkeit nicht wohlgetan, sich einen andern Jünger, als den
Petrus, zum Stammvater zu wählen? Ich hätte den Johannes vorgeschlagen.
    Er suchte nicht eigene Ehre, sondern die Ehre seines himmlischen Vaters.
Alle Menschen wollte er zu Gottes Kindern erhöhen; und nach der Kinderlehre
seines Evangeliums sind alle Gottes Kinder, die in guten Werken trachten nach
dem ewigen Leben.
    Sein Mut war groß. Seinem Verräter, einem aus den Zwölfen, ging er mit den
göttlich-großen Worten entgegen: Ich bin's. Dem Petrus gebot er, sein Schwert in
die Scheide zu stecken.
    Er starb den schmählichsten Tod des Kreuzes, und nichts ging ihm so nahe,
als sein so großes Werk, das aber nicht starb, sondern auferstand, und dessen
Geist er dem Geiste der Geister empfahl!
    Das alte Testament sah er als Hieroglyphen an, als Schattenbilder, die er
begeisterte. Reine Tugend war seine Lehre; das Herz, die innere Gesinnung, seine
Forderung an die Menschen, und Vollkommenheit sein Ziel! -
    »Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit,
nach Vollkommenheit; und alles andere wird euch zufallen,« war sein politisches
System, das die Probe der Anweisung enthielt, zu geben dem Kaiser
