 werden, den ihre elende, verzweifelte Lage in ihnen
erweckt hat, wenn dies also nicht nach einem bestimmt angeordneten Plane,
sondern durch einen Windstoß geschieht, der auf einmal das Feuer, das lange
unter der Asche geglimmt hatte, in helle Flammen auflodern macht - wer kann da
Ordnung fordern? wer kann da bestimmen, ob zuviel oder zuwenig geschieht?
Schreibe dem Meere vor, wie weit es fortströmen soll, wenn es den Damm
durchbricht, den Jahrhunderte untergraben haben!
    Und wenn auch bei solchen gewaltsamen Umwälzungen Szenen vorfallen, bei
deren Anblicke die Menschheit zurückschaudert, wer trägt dann die Schuld dieser
Greuel? Ganz gewiss mehr die, gegen welche man sich empört (oder vielleicht ihre
Väter), als die Empörer selbst - auf sie, die entweder durch despotische
Misshandlungen das Volk aufs äußerste gebracht oder durch Beispiel und
Beförderung des schändlichsten Luxus und aller Wollüste wahren Seelenadel und
Einfalt der Sitten in allen Klassen der Bürger zerstört oder wenigstens, sorglos
in ihrem Berufe, von boshaften, gleisnerischen, raubsüchtigen Schranzen umgeben,
die Untertanen der Verführung, der Plünderung und dem Drucke preisgegeben, es
gegen jede Herrschaft, gegen jeden Zwang erbittert, alle Herzen von sich
abgelenkt haben - auf ihnen ruht die Sünde. Die Menschen im ganzen lieben Ruhe
und Frieden, setzen nicht leicht den mäßigen, aber sichern Genuss des
Gegenwärtigen aufs Spiel bei der Aussicht eines mühsam zu erkämpfenden
ungewissen Künftigen; allein wenn der Despotismus es dahin gebracht hat, dass die
Staatsverfassung einem Kriege aller gegen alle ähnlich sieht, wenn jeder nimmt,
wo er ungestraft nehmen darf, niemand Gesetze anerkennt, sobald er sich
Impunität erschleichen, ertrotzen oder erwürgen kann, wenn kein Eigentum mehr
respektiert wird, wenn kein Bürger sicher ist, den Erwerb seines Fleißes vor den
Klauen der Raubtiere bewahren zu können, wenn man endlich doch Leben und
Freiheit wagt, man spiele das große Spiel mit oder nicht - wer wird es dann auch
dem Sanftmütigsten zum Verbrechen machen wollen, dass er, statt sich geduldig
schinden zu lassen, mit dreinschlägt, mit zugreift, da, wo soviel zu gewinnen
und keine andre Gefahr zu laufen ist, als die ihm, nicht weniger, täglich in
seiner friedlichen Hütte drohte, als er sich auch nicht regte?
    Überhaupt ist es ganz verlorne Mühe, zu räsonieren über die Befugnisse eines
Volkes, seine Regierungsverfassung zu ändern. In den großen Plan der Schöpfung
gehören diese Umkehrungen; sie sind unvermeidlich; sie werden herbeigeführt
durch die Ebben und Fluten der Kultur; die Menschen sind nur die Werkzeuge in
der Hand der alles ordnenden Vorsehung. Ist der Zeitpunkt da, stimmen alle
Umstände dazu ein, so sind alle Wirkungen einzelner Leute, alle Anstalten der
Regenten, alle Predigten und Deklamationen dagegen vergeblich. Das Recht des
Stärkern
