. Es lässt sich nicht
denken, dass namenlose, unberühmte Leute die Unverschämtheit haben würden, auf
eigne Autorität, ein philosophisches Inquisitionsgericht anzulegen - nein, ich
bin vielmehr überzeugt, dass die in Wien angekündigte Zeitschrift Männer zu
Verfassern haben wird, die sich schon durch Schriften und Handlungen in den Ruf
aufgeklärter, denkender, uneigennütziger und edler Eiferer für Wahrheit und
Recht gesetzt, und dass diese den lobenswerten Zweck haben, echte
philosophisch-politische Grundsätze zu entwickeln, diejenigen, welche sich ohne
Kenntnis der Sache an Beurteilung großer Weltbegebenheiten wagen, gütlich
zurechtzuweisen und durch Warnung und richtigen Volksunterricht den gefürchteten
bösen Folgen vorzubeugen, welche unvorsichtig vorgetragne Sätze, von falschem
Enthusiasmus irregeleiteter Schriftsteller, auf die allgemeine Stimmung haben
könnten.
    So wenigstens habe ich jene Ankündigung verstanden, und das hat mich
bewogen, damit auch ich mein Scherflein zu dieser guten Absicht beitragen
möchte, meinen ersten Plan, der nur auf Verteidigung des Herrn Benjamin
Noldmanns ging, zu erweitern. Ich will nämlich in dieser Schrift die Frage
abhandeln: ob und in welchen Fällen den europäischen Staaten, bei der jetzigen,
durch zunehmende Denk- und Pressfreiheit bewürkten Stimmung des Zeitalters, eine
Staatsumwälzung bevorzustehn scheinen möchte? Und da wohl ohne Zweifel die
französische Revolution jetzt den größten Einfluss auf diese Stimmung hat, indem
sie so manche Feder und Zunge in Bewegung setzt, so will ich meine Frage also
einkleiden: Welche Folgen haben wir von der französischen Revolution zu fürchten
oder zu hoffen?
 
                                Erster Abschnitt
             Wer kann richtig über große Weltbegebenheiten urteilen
Über große Weltbegebenheiten kann am richtigsten erst von der Nachkommenschaft
geurteilt werden; nur sie vermag mit kaltem Blute die Zeugnisse der
Zeitgenossen, die, ohne Unterschied, alle mehr oder weniger parteiisch sind, zu
prüfen und Ursachen, Wirkungen und Folgen, die einen durch die andern, zu
erklären.
    Nur der, welcher auch nicht auf die entfernteste Weise mit den handelnden
Personen in Verhältnissen steht, darf sich schmeicheln, ein unbefangner Richter
zu sein, und das ist bei solchen Ereignissen, die auf ganze Staatskörper Einfluss
haben, nie der Fall, solange wir selbst noch Glieder eines Staatskörpers sind.
    Man wende hiergegen nicht ein, dass die Zeit die kleinen Vorfälle vergessen
mache, die oft, mehr wie die großen, öffentlichen Ereignisse, als Triebfedern
würken! Wer weiß nicht, mit welchen falschen Anekdoten sich die Neuigkeit des
Tags trägt! Grade diese werden erst nach und nach berichtigt, erläutert, und das
echt Charakteristische bleibt. Doch versteht sich's, dass ich hier von einem
Zeitalter rede, in welchem Kultur und Philosophie nicht schlafen. Wer wird
leugnen, dass wir jetzt richtiger über das Zeitalter Ludwig des Vierzehnten
urteilen wie die, welche, während seiner Regierung, aus Menschenfurcht, aus
Schmeichelei, aus falschen Enthusiasmus ihn
