 in Kurs kommen, worauf ihr nicht
vorbereitet seid, an deren Missbrauch, wenn ein solcher Missbrauch zu fürchten
wäre, niemand schuld sein würde als ihr, berufene Erzieher des Volks!
    Allein glaubt nicht, dass man durch Zwangsmittel und Edikte Meinungen lenken
und Aufklärung hindern könne! Erlaubet immer, dass jedermann laut rede, und seid
versichert, dass niemand weniger zu fürchten ist als der Schwätzer! Je mehr die
Menschen plaudern, desto weniger handeln sie. Widerstand reizt, Einschränkungen
erbittern. Verbote von der Art sind das sicherste Kennzeichen einer schwachen
Regierung, erwecken den sehr gegründeten Verdacht, dass eure Schritte nicht
sicher sind, dass eure Grundsätze das Licht scheuen. Was nicht in Deutschland
gedruckt werden darf, wird auswärts verlegt, und was nicht öffentlich genossen
werden darf, wird heimlich um desto gieriger verschlungen. Wenn die allgemeine
Meinung zu eurem Vorteile spricht, wenn soviel Herzen von Liebe und Verehrung
für euch erfüllt sind, wenn man euren guten Willen sieht und euren Einsichten
trauet, was kümmert euch dann das Geschrei einzelner Schwindelköpfe? Und ist das
nicht der Fall, so gebet die Rolle ab, die ihr nicht zu spielen verstehet! Wenn
die Wahrheit reift, so trägt sie ihre Frucht, und alle Welt sieht, dass von dem
Baume gut zu essen und dass er lieblich anzuschaun ist. Dann seid weise und
stellt euch an die Spitze der Aufleser, damit es fein ordentlich dabei hergehe!
Verbietet ihr die Frucht, so fallen sie euch bei Nacht und Nebel darüber her,
und wer ist dann schuld an der Verwirrung und an den blutigen Köpfen?
    Fühlt ihr nun die Notwendigkeit, bald eure Systeme, eure Maximen, eure
Verfassung zu ändern (und wer von euch sollte die nicht fühlen?), murrt sogar
schon heimlich euer Volk, so berufet die Landesstände; berufet frei gewählte
Repräsentanten aus allen Klassen der Bürger; leget ihnen eure Wünsche, eure
Klagen, eure guten Entschlüsse vor; überleget gemeinschaftlich mit ihnen, wie zu
helfen sei; verheimlichet ihnen nichts! Ihr seid ihnen Rechenschaft schuldig;
gebet sie freiwillig, ehe man sie euch abnötigt! Sie werden euch das zum
Verdienste anrechnen, und ihr gewinnt dadurch an Macht und an Würde. Entwerfet
bestimmte Gesetze, die dem Genius des Zeitalters angemessen sind, und entsaget
aller willkürlichen Gewalt, die niemand verantwortlich sein will! Oh! versuchet
es und glaubt, ihr werdet euch glücklicher und größer dabei fühlen als jetzt.
Aber eure Wesire, eure Paschas, die sind es, die euch dahin nicht kommen lassen
wollen - trauet ihnen nicht!
    Ich bin ein schlichter Mann, freilich ehemals bei des Kaisers von Abyssinien
Majestät kein unbedeutendes Subjekt gewesen, aber jetzt Notarius caesarius
publicus in Bopfingen, und nichts weiter. Meinetwegen könnte es
