 tun, so wird das auf alle Stände
gesegneten Einfluss haben; die Regenten werden die Unvermeidlichkeit einer
Veränderung in ihren Systemen erkennen und zweckmässige Mittel wählen, allen
Klagen abzuhelfen; das Volk aber wird vorsichtig werden und sich zu keinen
tumultuarischen Schritten verleiten lassen.
 
                                Achter Abschnitt
           Wie allen gewaltsamen Revolutionen vorgebeugt werden könne
Wer in seinem Hause sich behaglich fühlt und kein Müßiggänger ist, pflegt sich
selten um das zu bekümmern, was der Nachbar in dem Innern seines Hauswesens
treibt; und ein Volk, bei welchem ein ziemlich gleich verteilter Wohlstand und
dabei nützliche Tätigkeit herrschen, pflegt eben keinen leidenschaftlichen
Anteil an den Begebenheiten und Gärungen in fremden Ländern zu nehmen. Die Sorge
für das allgemeine Wohl geht wenig Leuten so nahe zu Herzen als die Sorge für
das eigne Ich. Wer also Interesse für eine Veränderung in der Staatsverfassung
empfinden soll, der muss überzeugt sein, dass seine und der Seinigen persönliche
Existenz bei dieser Veränderung einen Zuwachs von Vollkommenheit erlangen würde.
    Die Anzahl derer, die Ruhe und Gemächlichkeit lieben und ungern rasche
Schritte tun, ist unendlich größer als die der unruhigen Köpfe voll rastloser
Tätigkeit. Wenig Menschen setzen gern das gewisse Gute aufs Spiel gegen das
Ungewisse, wonach man mit Gefahr ringen muss. Einzelne Aufwiegler machen wenig
Eindruck auf Gemüter, in denen nicht schon der Samen der Unzufriedenheit keimt;
und also sind im ganzen nur gemisshandelte und gemissbrauchte Menschen zum
Aufruhre geneigt oder leicht dazu zu vermögen.
    Jeder irgend verständige Mensch weiß, dass man in diesem Erdenleben eine
gewisse Summe von Ungemächlichkeiten und Lasten tragen muss. Von Jugend auf wird
er an Aufopferungen gewöhnt, und Gewohnheit hat größere Gewalt über ihn wie
alles übrige; folglich muss zu dieser Last, seinem Gefühle nach, eine
unerträgliche Zugabe kommen, wenn er bewogen werden soll, zu murren und das
Gewöhnte unnatürlich zu finden.
    Wer nicht gewahr wird, dass es andern Leuten unter denselben Umständen besser
geht als ihm, wird nicht leicht mit seinem Zustande unzufrieden werden.
    Liebe und Zuneigung zu Wohltätern, Dankbarkeit für Schutz und gewährte
Sicherheit, Erkenntlichkeit gegen edle und redliche Behandlung, Verehrung
hervorstechender Talente und eine Art von Furcht vor überwiegender Klugheit ist
allen vernünftigen Wesen von Natur eingeprägt. Nur Menschen von äußerst
stürmischen Leidenschaften (und diese machen gewiss den geringeren Teil des großen
Haufens aus) verleugnen solche Gefühle.
    Wer eine rasche, gefährliche Tat ausführen will und dazu die Mitwirkung
vieler bedarf, wird nicht leicht sich andern eröffnen und ihnen seine Plane
mitteilen, wenn er nicht gewiss überzeugt ist, dass diese von eben den
Empfindungen wie er durchdrungen sind, und das setzt entweder eine allgemein
gegründete Unzufriedenheit oder eine allgemeine Korruption der sittlichen
Gefühle voraus - an beiden ist die Regierung schuld.
    Aus diesem allen ziehen wir teoretisch folgende Schlüsse: dass Empörungen in
keinem andern
