 der nützlichste im Staate,
verurteilt sein sollte, ewig dumm und unwissend zu bleiben; und es ist töricht,
zu sagen, man werde an ihm zum Wohltäter, wenn man ihn in einer Täuschung
erhält, bei welcher er sich so übel befindet.
    Allein nicht nur ist keine Befugnis, es ist auch keine Möglichkeit da, die
Aufklärung zurückzuhalten; und wenn sie nun einmal, ohne unser Gebet, ihre
Fortschritte macht, so ist es die Pflicht derer, die über so wichtige
Gegenstände reiflicher nachgedacht haben, ihren Mitbürgern den Leitfaden zu
bessrer Anordnung ihrer Gedanken zu geben - das ist wahrer Schriftstellerberuf.
Auf diese Weise kann der Gelehrte, wenn er das Bedürfnis seines Zeitalters
richtig kennt, sehr nützlich werden. Schaden stiften kann er, wenn das, was er
sagt, wirklich echte Wahrheit ist, nie. Kömmt diese Wahrheit zur Unzeit, das
heißt: kalkuliert er das Bedürfnis unrichtig, so wird sie nicht erkannt, nicht
verstanden, zieht ihm vielleicht Verfolgung zu; aber Unglück kann der nie
stiften, der echte Wahrheit geltend macht. Sehr viel mehr Unglück stiftet halbe
Aufklärung, Verworrenheit in Begriffen. Und jetzt leben wir in einem Zeitalter,
das sehr viel Licht verträgt, in welchem man gewisse Wahrheiten nicht zu oft
sagen kann. Alle Klassen der Bürger lesen, lesen Geschichtsbücher, lesen
Zeitungen; sie erfahren dann, dass Tristan l'Hermite mehr als viertausend
unschuldige Menschen, unter Ludwig des Eilften Regierung, in der Bastille
umkommen ließ; sie erfahren, dass nun die Bastille nicht mehr ist, dass das Volk
sie, und mit ihr den Despotismus, zerstört hat. Sie sehen also, dass man so etwas
tun kann; sie lesen auch, dass viele behaupten, man dürfe so etwas tun; sie
fangen auch wohl an zu ahnden, man habe von jeher sich angemasst, alles tun zu
dürfen, was man tun konnte - und so ist denn freilich leicht abzusehn, dass auch
sie so etwas tun werden, wenn sie wollen.
    Hier ist also kein andres Mittel, als den Willen zu lenken und die Vernunft,
welche den Willen regiert, zu überzeugen. Jenes ist in der Regenten Hand, dieses
ein Geschäft der Schriftsteller. Wenn die Regierungen ihre Pflichten so treu
erfüllen und dabei solche zu dem Zeitalter passende Mittel wählen, dass die
Bürger im Staate sich glücklich fühlen, so entsteht kein Missvergnügen, kein
Bedürfnis, folglich auch kein Willen, die Ordnung der Dinge zu verändern. Und
wenn dann die Schriftsteller die echten Grundsätze entwickeln, worauf die Rechte
aller Menschen und ihre Verbindlichkeiten gegeneinander beruhen, die Vorteile
der bürgerlichen Gesellschaft und die daraus entstehenden Pflichten, die
Notwendigkeit einer gewissen Ordnung und der Unterwürfigkeit gegen die Gesetze,
wenn sie dies mit Freimütigkeit und Klarheit
