 Lage erleuchtet zu
werden, erbittern durch leidenschaftliche Grobheit und machen jede Sache
verdächtig, die solcher verächtlichen Verteidiger bedarf.
    »Aber was für Beruf«, fragt der Furchtsame, »was für Beruf habt ihr
Schriftsteller, euch in diese Händel zu mischen? Was gehen euch die Regierungen
der Welt an? Wandelt doch euren Gang in Frieden fort und schreibet über ...« -
Nun? worüber? Über was für Gegenstände, wenn man nicht über die schreiben soll,
die der ganzen Menschheit interessant und wichtig sind? Hat nicht jeder Bürger
im Staate Beruf, sich in Angelegenheiten zu mischen, wovon die Wohlfahrt aller
abhängt? Und wenn dein eigenes Haus nicht brennt, folgt daraus, dass du deinen
Nachbar nicht warnen dürfest vor Unvorsichtigkeit mit Feuer und Licht? -
Wahrlich! eine schöne Lehre! Also, wenn Millionen über die Misshandlungen eines
einzelnen seufzen, so soll keiner das Recht haben, die allgemeinen Klagen vor
den Richtstuhl zu bringen? »Ja, vor den Richtstuhl.« - Und vor welchen? Etwa vor
den Richtstuhl derjenigen, die selbst die Beklagten sind? - Nein! Vor den
Richtstuhl des Publikums, des gesamten Volks! Dahin gehören solche Klagen, und
diese Publizität allein ist das sicherste Mittel, heimlichen Meutereien und den
Einwirkungen im Finsteren schleichender Rotten vorzubeugen.
    »Aber man darf gewisse Wahrheiten ebensowenig laut predigen, als man kleinen
Kindern Messer und Scheren in die Hand geben darf.« - Wer hat euch das glauben
gemacht? Echte Wahrheiten können unbrauchbare Werkzeuge für Unmündige, aber nie,
in keines Menschen Hand, gefährliche Waffen sein. Das Gegenteil haben von jeher
nur solche Leute behauptet, die ihren schändlichen Vorteil bei der Verfinsterung
finden. Schade um die elende Glückseligkeit, die auf Lügen und Vorurteilen
beruht! Täuschung - selige Täuschung! Das ist eine Dichterphrasis und mag beim
Liebeln und Empfindeln gar angenehme Dienste tun; aber wo es heilige
Menschenrechte und zeitliche und ewige Glückseligkeit gilt, da hat kein Mensch,
kein Engel das Recht, uns zu täuschen.
    »Allein habe ich nicht selbst gesagt, dass der größte Teil des«
Menschengeschlechts in allen Zeitaltern unmündig und der Täuschung unterworfen
bleiben werde?« - Ja, werde, leider! werde; aber nicht solle, nicht müsse. Gibt
denn das uns das Befugnis, ihn mutwilligerweise zu betrügen, ihm sein Eigentum
an Wahrheit und Weisheit zu schmälern? Wer hat uns zu Vormündern auf ewige
Zeiten von gewissen Volksklassen gemacht, ohne Unterschied, ob unter diesen
nicht vielleicht Menschen sind, deren Verstandskräfte die unsrigen weit
übertreffen? Noch einmal! unmündig und schwach bleibt freilich der größte Teil
aller Lebendigen; aber dieser Teil besteht nicht grade aus Bauern. Das wäre ja
erschrecklich, wenn ein ganzer Stand, und zwar
