 es an, dass man, durch
Betrachtung desselben, sich überzeuge, wie weit man sich von demselben entfernt
hat, damit man, bei Gründung einer neuen Konstitution, einen Maßstab habe,
wonach man bestimmen möge, welche Schritte man zurück tun muss, um dem Ideale
nahezukommen. Über solche der ganzen Menschheit wichtige Gegenstände kann nie
genug nachgedacht, gesagt und geschrieben werden. Übrigens kann man ein sehr
ruhiger Bürger sein und dennoch manches in seinem Vaterlande anders wünschen,
als es ist, sich auch darüber gelegentlich deutlich herauslassen. Man kann gegen
Missbräuche in dogmatischen und gottesdienstlichen Sachen eifern und dennoch
nicht nur sehr warm für Religion sein, sondern auch, ohne Heuchelei, die
kirchlichen Gebräuche mitmachen, weil sie nun einmal so eingeführt sind. Man
kann wünschen, dass alle geheime Verbindungen aufgehoben würden, und dennoch die
Freimäurerlogen, die nun einmal da sind, besuchen und darin Gutes wirken. Man
kann behaupten, dass, wenn man einen neuen Staat zu errichten hätte, man in
demselben keine Schauspiele dulden wollte, und dennoch in dem Staate, darin man
lebt, sich des Schauspiels annehmen. Man kann mit Enthusiasmus die
Glückseligkeit einer republikanischen Verfassung erheben und dennoch ein sehr
gehorsamer Untertan seines Monarchen sein. Man kann die Torheiten und Tücken der
Menschen rügen und dennoch die Menschen herzlich lieben und seine eignen Fehler
nicht misskennen - kurz, der philosophische Schriftsteller muss über alles
räsonieren dürfen; Räsonnements sind aber weder Gesetze noch Glaubensartikel,
noch Fehdebriefe.«
    Diese und ähnliche Sätze wollte ich zu Verteidigung meines Herrn Vetters dem
geneigten Leser an das Herz legen, als mir die Ankündigung einer periodischen
Schrift vor Augen kam, die nun bald in Wien hervortreten wird und in welcher man
die neumodischen Philosophen entlarven, abfertigen und das Publikum vor diesen
abscheulichen Volksaufrührern warnen will. Nun lässt es sich gar nicht denken,
dass, bei der Aufklärung und Denkfreiheit, welche jetzt im ganzen deutschen
Reiche herrschen, einige niedrige, sklavische Schmeichler es wagen sollten, um
für sich Pensionen und andre Vorteile zu erringen, dem politischen,
theologischen und philosophischen Despotismus und der Verfinsterung das Wort zu
reden, die guten Fürsten, die auf halbem Wege sind, ihren Völkern statt der
eisernen, spröden Ketten der willkürlichen Gewalt die sanften und dauerhaften
Bande der Gesetze, der Liebe und der Achtung anzulegen, misstrauisch gegen die
freimütigen, edelen Männer zu machen, die den Mut haben, ihnen, zu ihrem Heile,
die Wahrheit zu sagen. Es lässt sich nicht denken, dass die Unternehmer jener
periodischen Schrift boshafte Dummköpfe wären, welche sich verschworen hätten,
jeden helldenkenden Mann, dessen Licht ihnen etwa zu sehr in die Augen
schimmerte, bei dem Volke verdächtig zu machen, ihn zum Schweigen zu nötigen
oder gar ihm Verfolgung im bürgerlichen Leben zuzuziehn
