 öffnet. Hingegen kann jede Verfassung von der Art
sich Dauer versprechen, wenn sie jene Grundsätze respektiert, ihre Form mag
sein, welche sie wolle. Ja - und vielleicht wird man sich wundern, mich aus
diesem Tone reden zu hören -, ich glaube fast, obgleich ich anfangs erklärt
habe, dass ich hierüber nichts zu entscheiden wagen würde, dass die monarchische
Form vielleicht die zweckmässigste von allen ist. Ich setze dabei voraus, dass der
Monarch ein weiser und guter Mann sei. Ist er das nicht, so muss er wagen, was
jede inkonsequente Regierung wagt, nämlich, dass es mit seinem Monarchenwesen
keinen Bestand habe. Wir reden aber hier nur von der Form, caeteris paribus.
    Ein einzelner Regent hat mehr Antrieb, seine Pflicht zu erfüllen, als
mehrere; alle Ehre und alle Schande seiner Verwaltung fällt auf ihn; allen Dank,
allen Segen erntet er ein; auf seinen Namen schreibt die Geschichte alles Gute
und Böse in die Rechnung. Stehen aber mehrere am Ruder, so kann jeder von ihnen,
wenn er etwas Böses tut, die Schuld von sich ab auf das Ganze wälzen, indes er
nachlässig zum Guten ist, weil der Ruhm davon nicht ihm zuteil wird.
Verschiedenheit der Meinungen und Neid hindern manche nützliche Ausführung. Weiß
der Monarch, dass er, insofern er seine Pflicht erfüllt, lebenslang Herr bleibt,
sieht er also das Land gleichsam als sein Eigentum an, so wacht er, wie ein
guter Haushälter, über das öffentliche Vermögen; sein Interesse ist das
Interesse des Ganzen; wo hingegen mehrere nur eine Zeitlang herrschen, da
durchkreuzen sich oft die mancherlei Privatvorteile mit dem allgemeinen Wohl;
und wir sind alle schwache Menschen. Weiß der Monarch, dass auch seine Kinder,
insofern die Nation sie dessen nicht unwürdig findet, einst in seine Stelle
treten werden, so kann er diese mit den Grundsätzen einer weisen Regierungskunst
bekannt machen; da hingegen gewählte Repräsentanten, wenn sie unerwartet an die
Spitze der Geschäfte gestellt werden, bei allem guten Willen doch zuweilen noch,
aus dem Beutel des Staats, teures Lehrgeld geben müssen. Endlich herrschen bei
der Regierung eines einzigen mehr Schnelligkeit in den Geschäften und Einheit im
Plane; und der Monarch kann dennoch alle Kenntnisse einsichtsvoller Männer,
deren Rat ihm nicht versagt wird, nützen.
    Allein, indem man mich der Monarchie das Wort reden hört, vergesse man
nicht, welche Bedingungen ich oben bei jeder Gewalt, die Menschen über Menschen
ausüben, vorausgesetzt habe!
 
                               Sechster Abschnitt
  Ob unsre heutigen Staatsverfassungen auf echten Grundsätzen beruhen und der
                    Stimmung des Zeitalters angemessen sind
Nachdem ich nun im allgemeinen die Grundsätze entwickelt habe, auf welche
durchaus eine jede Regierungsverfassung gebaut sein muss, wenn sie zweckmäßige
und dauerhaft sein soll, so lasset uns
