 waren, das Leben geraubt als ein jahrlanger Kampf um Freiheit und
Gesetze in Frankreich. Alle Gewalttätigkeiten, über die man so unbändig
schreiet, übertreffen wenigstens nicht die Greuel, die man im Jahre 1790, mitten
im Frieden, bei dem Matrosenpressen in England im Namen der Regierung verübte.
In den Zeiten der Ligue und während der unglücklichen Religions- oder vielmehr
Pfaffereikriege (denn es gibt keine Religionskriege) war Frankreich ein
Schauplatz viel größerer Unordnungen - und über dies alles empört sich das
Gefühl der vorgeblichen Menschenfreunde nicht. Dass ein Landesvater Tausende
seiner Kinder (dass es Gott erbarme!), das heißt seiner Untertanen, stückweise
verhandle, um sie irgendwo, fern von ihrem Vaterlande, totschiessen zu lassen,
wenn damit Geld zu verdienen ist, wovon nachher Buhlerinnen und Müßiggänger
unterhalten werden, das erlauben ihm die Menschenfreunde; aber wenn bei so einer
allgemeinen Gärung der unbändige Pöbel unter zehn Schelmen auch vielleicht, in
der blinden Wut, ein paar ehrliche Leute, gegen welche man Verdacht hat,
aufhenkt, so wird davon ein Lärm gemacht, als wenn kein Mensch in Frankreich
seines Lebens sicher wäre.
    Untersuchen wir unparteiisch die Grundsätze, auf welchen die neue
Konstitution beruht, so ist es unmöglich, zu leugnen, dass sie den Stempel der
gesundesten, reinsten Vernunft tragen. Was die hellsten Köpfe aller Zeitalter
einzeln über Menschenrechte, Menschenverhältnisse und über die reinen Zwecke
aller gesellschaftlichen Verträge gesagt haben, das findet man hier in der
einfachsten, deutlichsten Ordnung dargestellt und zum Fundament einer
Gesetzgebung hingelegt, wie es noch nie eine natürlichere, gerechtere in
irgendeinem Lande der Welt gegeben hat. Ob sie in der Ausübung möglich und ob
die französische Nation dazu reif ist, das gehört zu den Dingen, worüber uns nur
die Zeit aufklären kann; aber das behaupte ich, dass es keinen glücklichern
Menschen auf Erden geben könne als einen König, den ein nach diesen Grundsätzen
regiertes, diesen Gesetzen gehorchendes, nach diesen Begriffen von Recht und
Billigkeit handelndes Volk würdig gefunden hat, ihn freiwillig an die Spitze des
Ganzen zu stellen. Der erste von vierundzwanzig Millionen freien Menschen zu
sein, die keinen andern Vorzug anerkennen, als den Tugend, Weisheit und Fleiß
gewähren; dabei die Ausübung alles Guten in Händen zu haben, ohne Verantwortung
und ohne die Furcht, durch seine Leidenschaften irgendeines Bürgers Unglück
bauen zu können, und endlich und in dieser Lage alle Gemächlichkeiten des Lebens
und alle äußere Ehre, die irgendein König fordern kann - wer diesen Zustand
gegen den eines nach Willkür herrschenden Gebieters sklavischer Menschen
vertauschen möchte, der ist der tiefsten Verachtung wert, und zitterte auch der
halbe Erdboden, wenn er seinen eisernen Zepter schwingt.
    Die Abschaffung des Adels und die Schmälerung der Einkünfte der
Geistlichkeit sind freilich harte Artikel für die, welche
