 nicht ein, dass wir offenbare Tatsachen
vor uns haben, nach denen wir unsre Meinung berichtigen können! Diese Tatsachen
werden uns von Zeitungsschreibern, Journalisten und andern Schriftstellern oft
äußerst unvollständig, verstümmelt und entstellt vorgetragen. Nicht jeder will,
nicht jeder darf schreiben, wie und was er gern schreiben möchte. Vielen von
diesen Nachrichten fehlt es durchaus an historischer Glaubwürdigkeit; durch die
Art der Darstellung kann jedes Faktum eine ganz andre Gestalt gewinnen. In
Frankreich kann jetzt fast nicht ein einziger Mensch für einen unbefangenen
Zuschauer gehalten werden; der Reisende sieht die größeren Wirkungen, aber selten
die kleinen Triebfedern; und wenn er uns diese so schildert, wo er sie sich
denkt oder wie ihm andre Leute die Sache vorgestellt haben, uns aber den Beweis
schuldig bleibt - ein Fehler, den einige Schriftsteller bei Erzählung der
merkwürdigen Vorfälle vom fünften und sechsten Oktober begangen haben! -, so
darf man wohl auf alle Weise vor zuviel Leichtgläubigkeit und voreiliger
Beurteilung warnen.
    Alles, was ein unparteiischer Mann sich daher erlauben darf, diese große
Begebenheit zu sagen, wird, meiner Meinung nach, sich ungefähr auf folgendes
einschränken müssen: Die französische Revolution wurde unvermeidlich
herbeigeführt durch eine Kettenreihe von Begebenheiten und durch die
Fortschritte der Kultur und Aufklärung.
    So, wie die vorige Regierungsverfassung war, konnte sie, bei dermaliger
Stimmung der Nation, nicht bleiben, Verkehrte Maßregeln, welche die Hofpartei
gleich anfangs nahm, erbitterten das Volk, vermehrten das Misstraun und bewirkten
Gewalttätigkeit.
    Die Lebhaftigkeit des Nationalcharakters ließ voraussehn, dass nun schnelle
und rasche Schritte folgen müssten, und es würde albern sein, bei allen diesen
Umständen von Franzosen etwas anders zu erwarten.
    Alle Gewalttätigkeiten aber, die vorgegangen sind, alle Ermordungen, alle
Plünderungen, Mordbrennereien, Ausschweifungen und überhaupt alle gesetzlose
Handlungen sind, in Vergleichung mit den Unordnungen und Greueln, womit von
jeher ähnliche, ja, viel geringre Vorfälle bezeichnet gewesen, für nichts zu
rechnen. Diese Revolution ist eine große, beispiellose und, sie falle aus, wie
sie wolle, sie sei rechtmäßig oder widerrechtlich unternommen worden, der ganzen
Menschheit wichtige Begebenheit. Ein Krieg, den irgendein ehrgeiziger Despot zu
Befriedigung seiner kleinen Leidenschaften führt, ein Krieg von der Art, wie der
war, zu welchem Louvois seinen Herrn aufhetzte, damit er den Grad von
Wichtigkeit wieder erlangen möchte, den er durch einen Fehler in der Baukunst
verloren hatte - so ein Krieg kostet tausendmal mehr Blut und unschuldiges Blut,
und zu welchem Zwecke? Ob Gibraltar den Engländern oder Spaniern gehört, das ist
gewiss für die Welt, und vielleicht für das wahre Glück der beiden streitenden
Nationen selbst, ein ziemlich unbedeutender Umstand; und dennoch hat der Kampf
um diesen Felsen in einigen Stunden mehr Menschen, die gar nicht dabei
interessiert
