 Pöbel sich gegen wahre oder
vermeintliche Unterdrücker Grausamkeiten aller Art erlaubt, den Gesetzen und der
Polizei trotzt, die jugendliche Kraft und die ihm noch neue Freiheit missbraucht,
wie Jünglinge, die eben dem Schulzwange entkommen sind, ihre Unabhängigkeit zu
missbrauchen pflegen; er eilt erschüttert hinweg von diesem Schauplatze blutiger
Gewalttätigkeiten; auf der Rückreise schließt sich einer von denen an ihn, die
bei der Revolution, vielleicht ohne alle Schuld, Vermögen, bürgerliche Ehre und
Sicherheit eingebüßt haben. Dieser unterhält ihn mit den schrecklichen
Auftritten, die in seiner Provinz vorgehen; mit Tränen in den Augen schildert er
ihm die Not seiner verlassenen, ehemals wohlhabenden, nun dürftigen,
unglücklichen, flüchtigen Familie, die zerstörten Paläste, die Wohnungen, wo
sonst Frieden und häusliches Glück zu Hause waren, jetzt in Steinhaufen
verwandelt, auf denen man unschuldige Bürger mordet - befremdet es euch, wenn
dieser Reisende ein Bild von der französischen Revolution entwirft, das jenem
wie die Hölle dem Himmel ähnlich sieht?
    Allein nicht nur in der Verschiedenheit der einzelnen Szenen, die ein
Fremder in Frankreich wahrnehmen kann, je nachdem er zu dieser oder zu einer
andern Zeit, in dieser oder einer andern Provinz seine Bemerkungen sammelt,
liegt der Grund des Widerspruchs in den Urteilen über die französische
Staatsumwälzung, sondern auch in den Verhältnissen, Stimmungen und herrschenden
Ideen der Menschen selbst, die darüber reden und schreiben.
    Wer bis dahin eine Herrschersrolle gespielt hat und nicht ganz gewiss ist,
dass, sobald es auf freiwillige Wahl ankäme, die Untergebnen lieber ihm als einem
andern gehorchen würden, der zittert vor der Möglichkeit, dass man ihm, wenn der
Revolutionsgeist allgemein würde, diese Hauptrolle abnehmen und eine
untergeordnete anweisen könnte. Deswegen gibt es unter den großen und kleinen
Monarchen so wenige, die auf die neue Ordnung der Dinge gut zu sprechen sind -
vom Länder- und Völkerbeherrscher und Zepterführer an bis auf den Schulmonarchen
herab, der fürchtet, die Discipuli möchten ihm den Baculum aus der Hand winden.
Fast alle bei den alten Einrichtungen interessierte, an empfangne Huldigung und
passiven blinden Gehorsam gewöhnte Personen reden der willkürlichen Gewalt das
Wort.
    Personen, die in solchen Ämtern und Würden stehen, welche man in freien
Staaten für unbedeutend, unnütz oder gar für verächtlich und schädlich hält,
Hofschranzen und andre besoldete, pensionierte und bepfründete Müßiggänger,
können den Gedanken nicht ertragen, dass ein System Anhänger finden möchte, das
ihre ganze Existenz vernichtet, indem es nur dem Fleiße und dem wahren
Verdienste Achtung, Vorrechte und Vorteile einräumt:
    Solche Fürsten und Edelleute, die sich bewusst sind, dass sie gar nichts mehr
sein würden, wenn sie aufhören sollten, Fürsten und Edelleute zu sein; Auch
manche bessere, verdienstvollere Männer unter diesen, die aber von Jugend auf
mit den
