 sagen dürfe, »das hätte man tun, das
unterlassen sollen«. Ich glaube, dass die Anarchie kein Werk einzelner Aufrührer,
sondern die unvermeidliche Folge der abscheulichen Behandlung ist, durch welche
man das Volk aufs äußerste getrieben hatte. Ich glaube endlich, dass die
Deputierten zwar ihre Vollmachten überschritten sind, dass sie aber dem Geiste
des größten Teils der Nation gemäß gehandelt haben und dass, wenn sie weniger
getan hätten, neue Empörungen gefolgt sein würden, bis doch alles endlich auf
diesen Punkt des allgemeinen Umsturzes alles dessen, was irgend mit der
ehemaligen Staatsverwaltung zusammenhing, gekommen sein würde. Dies alles wird
schon dadurch bestätigt, dass das Volk freiwillig zu Deputierten der zweiten
Versammlung noch eifrigere, kühnere Männer (oder vielmehr, leider! Jünglinge)
gewählt hat, welche die Einschränkungen der königlichen Gewalt noch viel weiter
treiben. Schwerlich hätte man zum Beispiel, bei der jetzigen Stimmung, die
Einrichtung von zwei Kammern, wie in England, zustande gebracht; und wäre es
geschehen, so würden bald die dem Despotismus und den vorigen Missbräuchen
ergebnen höheren Stände neue Trennungen bewirkt haben - so glaube ich; aber ich
verlange nicht, irgend jemand zu meinem Glauben zu bekehren.
    Über diese Revolution, über die neue Konstitution und über die Schritte der
Nationalversammlung muss man jetzt so manche widersprechende Urteile hören und
lesen, dass man in der Tat immer vorsichtiger in seinen Entscheidungen werden
sollte. Von einer Seite schildert man uns diese große Begebenheit als das Werk
der verachtungswürdigsten, eigennützigsten Bösewichte, Aufrührer und
Königsmörder, verschworen, das ganze Reich in Elend und Verwirrung zu stürzen,
um im trüben zu fischen. Man schildert uns die Beschlüsse der Deputierten als
ein Gemische von schreienden Ungerechtigkeiten und törichten Hirngespinsten und
die Ausschweifungen des Pöbels als unerhörte, nie gesehene Greuel, planmässig von
den Verschwornen veranstaltet. Endlich prophezeiet man dem armen Frankreich den
gänzlichen Ruin oder eine nahe bevorstehende Umkehrung der Dinge durch eine
Kontre-Revolution und die Einmischung der übrigen europäischen Mächte. Von der
andern Seite erheben die Freunde der Revolution dieselbe, mit allen ihren schon
erlebten und noch zu erlebenden Folgen, bis in den Himmel. Sollen wir ihnen
glauben, so ist, solange die Welt steht, noch keine größere, der Menschheit
wichtigere und wohltätigere Begebenheit vorgefallen. Sie lassen uns alle dabei
verübten Gewalttätigkeiten als notwendige, durch die Größe des Zwecks geheiligte
Mittel ansehen. Sie schildern uns die Männer, welche bei diesen Unternehmungen
vorangegangen sind, als die edelsten, weisesten, uneigennützigsten,
kraftvollsten Helden und Philosophen und verkündigen nicht nur der französischen
Nation von jetzt an die ruhigste, glücklichste Periode, ein Goldnes Zeitalter,
sondern allen übrigen europäischen Staaten eine baldige Nachfolge. Die
gemässigtere Partei billigt den Zweck, tadelt aber die Mittel oder findet, dass
man im
