
nie in der Schlacht einen Überwundenen zu Boden stieß; der um des unschätzbaren
Gutes willen, die Freiheit seinem Lande zu verschaffen, sich ein Gewissen
machte, ohne die Form der Gerechtigkeit, einen Tyrannen oder seine Mitgenossen
umzubringen, und der denjenigen für einen schlechten Menschen hielt, so ein
guter Bürger er auch sein mochte, der unter den Feinden und in der Schlacht
seinen Freund und seinen Gastgeber nicht verschonte - »Grässlich von Eisen und
Blut kommt er zertrümmernd und durchbrechend eine Nation, unüberwindlich gegen
jeden andern, als gegen ihn allein; und geht seitwärts mitten im Handgemenge bei
Begegnung seines Gastes und seines Freundes. Wahrhaftig dieser da regierte im
eigentlichen Verstande den Krieg vollkommen, der ihn das Gebiss der Güte erdulden
machte, im Beginn seiner stärksten Hitze so entflammt als er war, und schäumend
vor Wut und Mord. Es ist Wunderwerk, mit dergleichen Handlungen einige Art von
Gerechtigkeit vereinbaren zu können: aber es gehört nur für die Energie des
Epaminondas, die Sanftmut der mildesten Sitten, und der reinsten Unschuld damit
vereinbaren zu können« - »Wenn es Größe des Mutes ist, und die Wirkung einer
seltenen und besonderen Tugend, um des gemeinen Wohls willen und der Obrigkeit zu
gehorchen, Freundschaft, persönliche Pflichten, Verwandtschaft und Wort für
nichts zu achten; so ist es wahrhaftig genug, um uns los davon zu sagen, dass es
eine Größe ist, die in der Größe des Mutes des Epaminondas nicht Platz finden
kann.«
    Nun die Anekdote. Sie kennen Auguste von G**, die treue, makellose Seele,
die so einzig ist, weil sie nur für das Gute und Wahre Begriff hat, nur für das
Gute und Wahre Witz und Laune. Eine unselige Kokette verführte ihren Mann.
Auguste, im höchsten Grade arglos, merkte lange nichts. Weil aber G** genötigt
war, ihr manche Unwahrheit vorzutragen, und, wie bekannt, eine jede Unwahrheit
Lügen ohne Zahl gebiert, so musste das liebe Weib wohl endlich merken, dass es
hintergangen wurde. Nun begab es sich an einem Tage, dass ihr, in des Mannes
Gegenwart, auf einmal zwo recht frappante Betrügereien offenbar wurden. Sie
können sich G**s Zustand einbilden. Kaum war der Freund, welcher
unschuldigerweise die Sache ans Licht gebracht hatte, zur Tür hinaus, so hub
Auguste an: »Höre doch, Max, du hattest mir ja diese Sache - so, und jene - so
gesagt, und ich hör es nun so ganz und gar anders? Ich merke seit einiger Zeit,
dass du mir öfters Unwahrheiten sagst. - Wenn du wüsstest, wie mich das betrübt!«
- »Freilich«, antwortete G**; »aber das ist nicht meine Schuld; wer sich
unbescheidene Fragen erlaubt, der zwingt
