 Es kann Euch so dabei nicht schaudern. Aber wie
rett ich Euch? Klerdon, Amalia, hütet mir die zwei lieben Geschöpfe!
    Es soll unerhört sein, dass dem Eduard je ein Anschlag misslungen wäre. Er
wagt sein alles an die Erreichung jedes Zwecks. Wer ihm abgewönne, der gewönne
ihm nie weniger ab als sein Leben. Klemenz nennt ihn einen Besessenen, dem es
fast in keinem Fall gestattet sei, willkürlich zu handeln; - man brauche nur
einmal ihn gesehen zu haben, um dies lebendig wie eigenes Dasein zu fühlen. - Ein
schrecklicher Charakter! - Und was für ein göttliches Ansehen der Mensch haben
muss, wenn er das Gute, das Schöne verfolgt! - und es muss beinah scheinen, als
verfolg er es immer, denn alles Böse, das durch ihn geschieht, bleibt entweder
verborgen oder es lässt sich als zufällig nehmen. - Oh, hütet Euch! Oh, flieht! -
Du Lenore besonders, Du mit dem zarten durchdringlichen Sinn. - Glaube mir,
Beste! Liebe macht uns Weiber immer unglücklich. Die Männer verdienen so wenig
das Opfer unsers Daseins, dass sie nicht einmal anzunehmen wissen, was wir ihnen
geben. Das Glück ein ganzes Herz zu besitzen - wie sollten sie das schätzen
können, da ihr Herz nie einen Augenblick ganz, da kein Gefühl desselben bei
ihnen lauter ist! Keine Wonne, nicht die höchste der Menschheit, gilt ihnen so
viel, dass sie dieselbe rein bewahrten. Keine Empfindung ist ihnen in dem Grade
lieb, dass sie dieselbe nicht durch ekelhafte Vermischungen trübten, ihr Bild
entweihten. Die Fülle des Köstlichen - Was? die schmecken sie nie, haben sie
nie; darum kann ihnen nie genügen; darum sind sie - ohnmächtig zur Liebe. Wir
Arme merken das nicht gleich; wir glauben wohl gar eine Zeitlang stärker geliebt
zu sein, als wir selber lieben. Aber, o wie bald offenbart sich das anders! - Da
stehen wir dann dem Geliebten gegenüber, und fühlen durch unser ganzes Wesen:
Dein! - fühlen durch unser ganzes Wesen: - nicht mein! ... Wenn du das Grässliche
- die unaussprechliche Schmach des Gefühls ahnden könntest: - ich - Dein! Du -
nicht mein! - - Verloren zu sein, platt verloren an jemand ... Unser eigenes
Selbst entflohen aus uns - entflohen aus Ihm ... Gar kein Dasein mehr; keins in
sich, keins im andern. Man ist verschwunden unter den Lebendigen; getilget mit
Schande aus ihrer Zahl - Elend ohne Maß, ohne Namen! ...
                            Eduard Allwill an Luzia
Ihr langes Sendschreiben, gute Luzia, hab ich soeben zum drittenmal wieder
gelesen; habe alles beiseite geworfen, und sitze Ihnen nun
