 die nämlichen.
Man hatte den Herzog von ** durch die schlauen Künste eines Grafen von Segni
über gewisse verborgene Dinge zum Sprechen gebracht, man hatte den arglosen Otto
von Wittelsbach um einige unserer Geheimnisse betrogen, man hatte auch
vielleicht Peter von Kalatin auf die Seite zu ziehen gewusst, und nun wollte man
den Rest des Ganzen durch Qualen von mir erzwingen. Verbrechen, zu denen man
mich vielleicht selbst erst durch teuflische Kunst verleitete, hatten mich des
Todes schuldig gemacht; man schmeichelte mir mit Lebensfristung, wenn ich meinen
Starrsinn, wie man es nannte, ablegen wollte. Mein Verstand hatte durch
unglückliche Liebe gelitten, zu welcher mich gleichfalls ein Verräter leitete,
und man hofte mir in meinen unbewachten Stunden Dinge abzulauschen, die ich bei
voller Besonnenheit nicht preis gegeben haben würde; sie hielten mein Gedächtnis
für einen Schatz, den man ruhig plündern kann, weil der Hüter eingeschläfert
ist; ja sie hatten Recht, mein Verstand schlummerte nur, und erwachte schnell,
so bald es die Not erforderte. Alf von Dülmen, stärker oder störriger als die
andern, blieb stumm und reizte dadurch seinen Quäler nur noch mehr; sie wollten
das Reich der heimlichen Gerechtigkeit, der Stellvertreterin des ewigen
Richters, umkehren, und auf seinen Trümmern ein neues bauen, in welchem nicht
die Gerechtigkeit, sondern sie regieren wollten. Wie wir Verbrechen und Untat
bestrafen und in Fesseln halten, dass sie nicht wüten können, wie sie wollen, so
wünschten sie den freien Geist des Menschen zu fesseln, und Abweichungen von
ihrem Glauben zu todeswürdigen Verbrechen zu machen; sie wollten uns die Mittel
der Allwissenheit und Unfehlbarkeit; wollten uns tausend andere Dinge ablernen,
die ich hier nicht nennen darf, aber ihr Endzweck schlug ihnen wenigstens bei
mir fehl. Es glücke ihnen oder es glücke ihnen nicht, wie ich denn nicht weis,
was sie jetzt auf der Oberwelt beginnen, so ist Alf von Dülmen unschuldig an dem
Unglück, welches sie stiften.
    Die Grausamkeit, mit welcher ich behandelt ward, rettete meinen Verstand,
der durch wütende Leidenschaften fast entkräftet war; ich erwachte wie aus einem
schrecklichen Traume, ich fühlte die Notwendigkeit mich zu ermannen, und ich
ermannte mich um ihnen allen gewachsen zu sein.
    Dies zog die Fülle ihres Zorns über mich, mein Tod war beschlossen, ich
sollte fallen ohne zu wissen wer mich fällte. Von dem Turm, in welchem ich
gefangen lag, führt ein schmaler Gang in einen andern, welchen man den Turm der
Freiheit nennt, weil seine Gefangenen gelinder gehalten und eher begnadigt
werden, als die Bürger des unseeligen Kerkers, in welchem ich bis dahin
geschmachtet hatte. Man kündigte mir an, dass mir auf Vorbitte der Prinzessin
Alix die Tür zu demselben geöfnet werden sollte, und
