
denn schon Jahrhunderte über meine und meines Freundes Asche hingeflogen, und es
kümmert niemand mehr, ob Alf von Dülmen schuldig oder unschuldig war, aber seine
Geschichte ist nicht ohne gute Lehre, und nachdem die Zeit ist, in welcher sie
sich aus der Dunkelheit hervorwindet, nachdem wird ihr Nutzen sein. Vielleicht
groß, wenn sie Zeit genug kommt, dem Übel zu steuern, das jetzt unter dem Namen
der Gerechtigkeit Unheil stiftet, vielleicht klein, wenn sie erst in
Jahrhunderten erscheint, in welchen Dinge, unter deren Druck jetzt die Welt
seufzt, längst vernichtet und zur Fabel geworden sind.
 
               Der Kardinal Lothar an den Bischof von Kastilien.
                                     1198.
Ich schreibe euch noch unter meinen alten Namen, ungeachtet ich schon eines
neuen und glorreichern gewiss bin. Bald wird die ganze christliche Welt mich als
ihr sichtbares Oberhaupt verehren, aber dem ehrwürdigen Hirten der kastilischen
Heerde werde ich nie etwas anders als Freund sein.
    Noch würde ich nicht gesiegt haben, wär nicht der alte Nebenbuhler meiner
Größe, der alte Feind all meiner Anschläge, wär nicht Philipp von Tuscien
schnell nach Deutschland gefordert worden, daselbst seine eigenen
Angelegenheiten zu betreiben; und wisst ihr, worin dieselben bestehen? in nichts
geringeren, als in der Erlangung des Kaisertums. O mein Freund, bekennt die
Übermacht meiner Einsichten gegen die eurigen! - Als Kaiser Henrich Philippen
die Vormundschaft über den unmündigen Friedrich auftrug, da wart ihr bereit zu
wetten, der treuherzige Schwabe, wie ihr den Tuscier nanntet, würde Blut und
Leben für das Wohl seines Mündels aufopfern, würde ehe sterben, als diesem Kinde
die römische Krone entreißen lassen; ihr wisst was ich euch damals sagte, jetzt
liegt der Erfolg meiner Behauptung am Tage. Die deutschen Fürsten mögen kein
Kind zu ihrem Herrscher haben, und der ehrgeizige Philipp vergisst seine
Vormundschaft so ganz, dass er sehr geneigt ist, sich in ihren Eigensinn zu
fügen.
    Ob es ihm gelingen, ob es meinem alten Hasser gelingen wird! - Ihm ward am
nämlichen Tage der Kaiserstuhl geweissagt, da mir jener Mönch die dreifache
Krone prophezeihte, die letzte ist mir gewiss, wird es ihm auch der erste sein?
Er hat mächtige Nebenbuhler, mir darf sich niemand entgegen setzen. Zwar dem
geizigen Herzog von Zähringen könnte er wohl seine Ansprüche mit Gelde abkaufen,
aber was will er gegen den weisen uneigennützigen Bernhard von Sachsen beginnen,
welcher zum Kaiser geboren zu sein scheint? Mir wär - da doch nun einmal das
Schicksal die Päbste und die Kaiser in seine Wagschalen gesetzt hat, einander
das Gegengewicht zu halten, - mir wär ein solcher Gegenmann, wie Bernhard
fürchterlich, und wenn ich alles betrachte, so wollte ich fast Philippen noch
lieber als ihm das Diadem gönnen! - Auf jeden Fall
