 prächtige Theater erbauet, indes das alte
Schloss den Einsturz droht, Schauspieler und Tänzer reichlich besoldet, indes die
Räte nicht das liebe Brot haben, oder Tonnen Goldes an Kutsch- und Reitpferden
verschwendet, indes der arme Bauer keine Mähre hat, die seinen Pflug zieht.
    Zu diesem allen muss das unglückliche Ländchen das Geld aufbringen, und da
gibt es denn keine Art von Finanzoperation, zu welcher man nicht seine Zuflucht
nähme, um dem unglücklichen Bauer den letzten Heller aus dem Beutel zu locken.
Ist, bis auf die freie Luft nach, alles, was sich taxieren lässt, mit Auflagen
beschwert, so legt man Lotterien und Lotto an. Da holt der arme Dienstbote, der
sich einen sauer erworbnen Notpfennig, zur Sicherheit gegen Alter und Krankheit,
zurückgelegt hatte, getäuscht durch die eitle Vorspieglung des zu hoffenden
Gewinstes, seine Sparbüchse hervor und verliert seinen einzigen Trost im Spiele
gegen seinen durchlauchtigsten Landesvater. Und sind alle Mittel, Geld zu
erhaschen, durchprobiert, so nimmt man noch zu dem letzten und abscheulichsten
seine Zuflucht - man verkauft das Leben seiner Untertanen fremden Potentaten.
    So wie das ganze Augenmerk solcher Fürsten nur dahin geht, aus dem Lande
soviel Geld als möglich zu ziehen, um den unnützen Aufwand zu bestreiten, so
studieren denn auch die Räte und Diener allein darauf, sich zu bereichern; und
ihnen wird durch die Finger gesehen, insofern sie nur neue Plünderungsmittel
erfinden helfen - ja, es gibt Länder, wo die Besoldungen ausdrücklich darum so
geringe sind, weil man darauf rechnet, dass das übrige durch Betrug und
Bestechung herbeigeschaft wird. Es gibt besonders einen Staat in Deutschland,
wo dieser Unfug aufs höchste getrieben wird; wo öffentlich, unter des Ministers
Schutze und mit Vorwissen des Fürsten, ein Jude die Bedienungen dem
Meistbietenden verkauft; wo dieser Handel schamlos in des Ministers Vorzimmer
getrieben wird; wo die Beamten Recht und Gerechtigkeit um Geld feilhaben, und
das alles vor den Augen des ganzen deutschen Publikum, dem man diese
Abscheulichkeiten schon oft in Journalen und andern Büchern gedruckt vor Augen
gelegt hat, worüber aber die unverschämten Schelme nur lachen und ihr Wesen
forttreiben.«
    NEGUS: Es ist kaum möglich, dass du deine Schilderung nicht übertreiben
solltest. Was würden eure Landstände zu solchen Abscheulichkeiten sagen?
    ICH: Dass es Gott erbarme! Was sind denn unsre Landstände? Gewählte
Repräsentanten aus solchen Volksklassen, die bei diesen Bedrückungen am
wenigsten leiden, zuweilen sogar ihren Vorteil dabei finden, folglich, auf
Unkosten des Standes, der alles tragen muss und nicht mitsprechen darf,
verwilligen, was der Despot fordert. Mit den Wahlen geht es denn auch so her,
dass es ein Jammer ist.
    Unwissende Menschen ohne Kenntnis des Landes, ja, nicht selten ohne gesunde
Vernunft,
