 es mit den kleineren Fürsten aus. Diese könnten, nach
Verhältnis, sehr viel glücklicher sein und sehr viel mehr Gutes verbreiten als
die mächtigern. Auch sind unter ihnen edle, vortreffliche Männer, die ihre
Untertanen wie ihre Kinder betrachten und behandeln und von ihnen wie Väter
geliebt werden. Ein kleinerer Zirkel ist leichter zu übersehen; es ist leichter,
da zu helfen, wo es fehlt, wenn das ganze Ländchen gleichsam nur eine ruhige
Familie ausmacht. Sie bedürfen des ungeheuren Aufwandes von Kriegsheeren, Hof-
und Staatsbedienten, Tafeln, Festen, Gesandten und dergleichen nicht. - Und ist
es nicht rühmlicher, erhabner, größer, in der Stille tausend Menschen an Leib
und Seele glücklich, frei und froh zu machen, von ihnen gesegnet und zärtlich
geliebt zu werden, als Millionen Sklaven mit eisernen Ketten an ein Joch zu
schmieden, damit die Nachwelt den Mann, der nicht einen Freund je gehabt, für
den nicht eines Menschen Herz je geschlagen hat, als einen - merkwürdigen
Beherrscher bewundre?
    Und diese Wonne könnten alle unsre kleinen Fürsten schmecken; allein dafür
haben nur wenige unter ihnen Sinn. Die rasende Begierde, es den größten
Monarchen gleichzutun, sich bemerken zu machen, von sich reden zu lassen,
verleitet sie zu hundert Torheiten und bösen Streichen. Der Fürst will einen
kurfürstlichen Hofstaat haben, der Graf kauft sich den Fürstentitel. Die
kleinen, von arbeitsamen Menschen leeren, hölzernen Residenzen wimmeln von
müßigen, liederlichen, hungrigen, bunten Soldaten und von hirnlosen,
niederträchtigen, bettelarmen Hofschranzen, die sich untereinander hassen,
verleumden, verfolgen und, durch die schändlichste Schmeichelei und durch die
Bereitwilligkeit, sich zu den entehrendsten Diensten brauchen zu lassen, den
schwachen Fürsten noch täglich mehr verderben. Feile, menschenscheue
Schriftsteller und erkaufte Zeitungsschreiber posaunen dann Handlungen von
diesen durchlauchtigen Sündern aus, um welche gelobt zu werden ein Privatmann
sich schämen würde, und beschreiben ihre geschmacklosen Feste. Noch geht es
leidlich, wenn die Potentaten ihr Unwesen nur zu Hause treiben und das, was der
arme Untertan im Schweiße seines Angesichts aufbringt, wenigstens im Lande
wieder verzehren; allein da kutschieren manche von ihnen alle Jahre nach
Frankreich, Italien oder England oder figurieren im Dienste größerer Herren; und
wenn sie denn einmal nach Hause kommen, so wissen sie nichts zu treiben, als vor
Langeweile die Torheiten nachzuahmen, die sie auswärts gesehen haben. Dazu
bringen sie auch noch wohl einen Schwarm fremder Windbeutel und Schelme mit, die
dann an die Spitze der Geschäfte gestellt werden, verdienstvolle Einheimische
verdrängen und die größte Verwirrung in einem Lande anrichten, von dessen
Verfassung sie nichts verstehen. Diese Fremde setzen dem Fürsten nun vollends
allerlei kostbare Spielereien in den Kopf. Da wird das ganze Land zu einem
Jagdpark umgeschaffen, oder es werden
