 machen. Taugenichts und Vagabonden, die durch den Reiz eines
zügellosen, müßigen Lebens herbeigelockt wurden, ließ man die Waffen tragen;
bessere Menschen wurden teils mit Gewalt, teils durch List angeworben. Man übte
sie in den Waffen, das heißt, da man jetzt auf persönliche Tapferkeit im Kriege
nicht mehr rechnen durfte, so lehrte man sie gehen und kommen, schießen und sich
totschiessen lassen, sooft ihnen der Wink dazu gegeben wurde. Mit fürchterlichen
Schlägen wurden die Widerspenstigen und Ungeschickten zu diesen mechanischen
Übungen abgerichtet, die strengste Unterwürfigkeit, der pünktlichste Gehorsam
eingeführt, das kleinste Verbrechen, das geringste Murren auf die
abschreckendste Weise bestraft; jeder Offizier übernahm die Unterjochung einiger
solcher Leute. Die Schlechtern unter diesen hatten nicht den Mut, sich der
unmenschlichen Tyrannei zu widersetzen; die Bessern wurden nach und nach des
Jochs gewöhnt und wussten nicht, ob sie sich bei einer Empörung auf die
Mitwirkung ihres Nebenmannes verlassen konnten; als Bauern zu Hause war auch
nicht viel Glück und Freiheit für sie - da wurden sie von den Beamten
geschunden; und so erhielt und befestigte sich dann - in der Tat ein Wunder der
Menschheit! - eine Maschine, in welcher vieltausend Unzufriedne und Unglückliche
sich auf den Wink eines einzigen zu Handlungen bestimmen ließ, die gänzlich
gegen ihre Neigung, gegen Billigkeit, gegen Vernunft und Natur waren, ohne
jedoch zu murren, ohne die Rechte der freien Menschheit zu reklamieren, ohne
empört zu werden von dem entehrenden Schauspiele, dem wahren Sinnbilde des
Despotismus, wenn sich ein ehrwürdiger Greis unter den Schlägen von der Hand
eines Knaben krümmen musste.
    Nun wurde die Kunst, Menschen von der Erde zu vertilgen, in ein System
gebracht, und man sah auch in Abyssinien ein, dass nicht mehr die Tapferkeit,
sondern das, was man Kriegskunst nennt, das Glück der Feldzüge entscheide. Es
kam darauf an, die Maschine, welche man aus vernünftigen Wesen, denen man den
freien Willen geraubt, zusammengesetzt hatte, mit grössrer Behendigkeit und
Schnelligkeit zu bewegen als der Feind, um über diesen den Meister zu spielen.
Feuergewehr hatten die Abyssinier schon längst über Arabien her bekommen; ein
Jesuit (denn jetzt rede ich schon von den neueren Zeiten, von der Regierung der
letztern drei Könige) lehrte sie den besten, schnellsten und gleichförmigsten
Gebrauch von diesen Waffen machen und führte sie selbst im nächsten Kriege an,
der entscheidend zum Vorteile der Abyssinier ausfiel und eine Menge nubischer
Könige dem großen Negus zinsbar machte.
    Auf diese Zeiten folgte ein langjähriger Frieden, während welchem die
Soldaten anfangs untätig in den Städten lagen. Viele von ihnen waren eingeborne,
mit Gewalt aus dem Schoße ihrer Familie, von nützlicher Arbeit weggerissene
Bauern- und Bürgersöhne. Mit reinen Sitten waren sie zum Teil zum Heere
gekommen
