 leicht schließen, dass die
Menschen, welche der König um sich her versammelte, eine Rotte nichtswürdiger,
sklavischer Schmeichler ausmachten; denn die, deren Herz und Sitten noch
unverderbt waren, flohen den Hof, welcher der Sitz der Schwelgerei, der
Üppigkeit und des Müssiggangs geworden war. Jene aber verführten den Despoten zu
immer größeren Ausschweifungen, Inkonsequenzen, Torheiten und zu dem Missbrauche
seiner Gewalt. Die Schlauesten unter ihnen wurden seine Lieblinge, gaben ihm
Anschläge, wie er es anfangen müsste, der Nation noch den letzten Schatten von
Freiheit zu rauben, und indem sie ihm behilflich waren, die unumschränkteste
Gewalt in seine Hände zu legen, regierten sie den Despoten und suchten sich auf
Kosten des Staats zu bereichern.
    Nun wurden alle Bedienungen mit den Kreaturen der Lieblinge besetzt,
Besoldungen und Jahrgelder an Unwissende und Bösewichte ausgeteilt;
Parteilichkeit, Ungerechtigkeit und Bestechung herrschten in allen Departements.
Man gab willkürlich Verordnungen und Gesetze, deren eines dem andern
widersprach, verhing gegen die Übertreter derselben Strafen, die nicht im
Verhältnisse mit den Verbrechen standen und die man nach Gutdünken erschwerte,
minderte oder nachließ. Freigeborne Menschen wurden wie Sklaven am Leibe
bestraft, ja, endlich sogar am Leben.
    In den Befehlen, welche der König gab, las man nun die Ausdrücke Gnade,
untertänigste Befolgung und mehr solcher empörenden Phrasen. Man sprach von der
Heiligkeit der Person des Monarchen, von Majestät und dem Verbrechen der
beleidigten Majestät.
    Rechte, die jedem freien Manne zukommen, zum Beispiel die wilden Tiere auf
dem Felde, die Vögel in der Luft zu schießen und die Fische im Wasser zu fangen,
erklärte man für Regalien oder beschenkte nichtswürdige Günstlinge mit diesen
Befugnissen.
    Auch Handel und Gewerbe blieben nicht frei. Man erteilte Privilegien,
Monopolia, Exemtionen von gewissen Verordnungen an einzelne Personen und hielt
es nicht für Pflicht noch der Mühe wert, der Nation andre Ursachen für dies
alles anzugeben, als dass es Seiner Majestät gnädig gefallen habe, es also zu
verordnen.
    Um jedoch irgendeinen Schein anzunehmen, als wenn diese abscheulichen
Eingriffe in die Rechte der Menschheit und der gesunden Vernunft mit Beistimmung
des Volks geschähen, versammelte man noch einmal die Repräsentanten der ganzen
Nation; allein man wusste durch Bestechungen, Verheißungen und Drohungen die Wahl
dieser Repräsentanten so zu lenken, dass nur sklavische und unwissende Menschen
sich dort versammelten und alles billigten, was der Despot vorschlug.
    Der König bauete sich eine große, prächtige Stadt, die Axum hieß, jetzt aber
nicht mehr die Residenz ist, seitdem Gondar gebaut worden. Dort lebte er in
asiatischem Puppenglanze, von seinen Sklaven umgeben. Man veranstaltete daselbst
das ganze Jahr hindurch Feste, Schauspiele und Feierlichkeiten, welche die Augen
des Volks blendeten, die Sinne reizten, die Vernunft übertäubten und von
ernstaften Betrachtungen ableiteten
