 der Geldumlauf, der inländische Handel und die
dadurch entstandne große Verschiedenheit unter den Vermögensumständen in
Abyssinien nach sich zogen. Der ausländische Handel aber bewirkte, außer allen
diesen, noch weit wichtigere Revolutionen, wovon ich jetzt reden will.
    Der Verkehr mit den benachbarten Nationen erzeugte den Luxus, machte die
Abyssinier mit Annehmlichkeiten und Gemächlichkeiten des Lebens bekannt, die
ihnen bis dahin fremd gewesen waren und die, nachdem sie dieselben einmal
geschmeckt hatten, ihnen bald zum Bedürfnisse wurden. Sie lernten die
Zubereitung betäubender, starker Getränke, den Gebrauch langsam vergiftender
Gewürze, nervenkitzelnder Opiate, des Tobaks, des Rauchwerks und balsamischer
Wohlgerüche. Die durch den Handel reich gewordnen Leute fingen an, einen
asiatischen Aufwand in ihrem Hausrate, in ihrer Kleidung zu machen, schliefen
des Nachts auf weichen Betten, wälzten sich bei Tage auf seidenen Polstern. Die
starken Körper wurden entnervt; da erwachte eine Menge unmässiger Begierden,
heftiger Leidenschaften - Grillen, Launen, Kränklichkeit, kurz, Verderbnis der
Sitten. Herabwürdigung an Leib und Seele waren die sichern Wirkungen dieser
weichlichen, wollüstigen Lebensart. Hohe Tugenden schliefen; der Nerv zu großen
Taten wurde gelähmt; Einfalt, häusliche Glückseligkeit, unschuldige Freuden,
Kindersinn, Treue, herzliche Hingebung und froher, reiner Genuss verschwanden.
    Da die Bedürfnisse immer mannigfaltiger wurden und die Preise der
Lebensmittel stiegen, so bedurfte nun jedermann mehr als bisher; reich zu sein
wurde also täglich wichtiger, nötiger; denn einfach, mäßig und weise sein hieß
nun schon: sich etwas versagen; arm zu sein, kein Geld zu haben war eine Art von
Schimpf; der Wohlhabende wurde geschmeichelt, geehrt, um von ihm zu ziehen, der
Dürftige zurückgesetzt, verachtet; persönliches Verdienst kam nicht mehr in
Anschlag; Eigennutz war die große Triebfeder, und man erlaubte sich, um reich zu
werden, alle, auch die niedrigsten, schiefsten Mittel und Wege.
    Der Reiche wollte nun nicht mehr arbeiten, hatte für nichts Sinn als für
Genuss. Um sich her versammelte er einen Haufen bezahlter Schmeichler und
Gaukler, die ihm die Zeit vertreiben halfen. Der Müßiggang erzeugte teils neue
Laster und Torheiten, teils gab er Gelegenheit zu Erfindung und Vervollkommnung
der schönen Künste. Der Missbrauch derselben machte nun vollends weibisch,
erhitzte die Phantasie, erregte die Begierden. Bald war der Geist der ganzen
Nation nur für Kleinigkeiten, Torheiten, Spielwerke empfänglich. Witz galt mehr
als gesunde Vernunft, Bombast in Worten mehr als nüchterne Weisheit. Die Sinne
wollten ohne Unterlass gekitzelt sein. Man entfernte von sich alles, was
Anstrengung, Ernst, Ausdauer erforderte, und sehnte sich nur nach dem Genuss des
Augenblicks; floh alles, was unangenehme Eindrücke machte, lebte und webte in
immerwährendem sinnlichem Taumel und haschte nach Idealen.
    Jetzt entstanden eine große
