 und sie
waren an Leib und Seele gesund, nervig, stark. Der Zorn der mutwillig gereizten
Sanftmütigen ist fürchterlicher als das Toben des unruhigen Zänkers. Unsre
Abyssinier empfingen, schlugen und verfolgten siegreich die Nubier, auf eine
Weise, die diesen auf lange Zeit die Lust benahm, sich wieder an ihnen zu
vergreifen. Hierdurch entwickelte sich bei dem Volke ein bisher unbekannt
gewesenes, schlafen gelegenes Ressort, die Tapferkeit, aber mit ihr zugleich
spross auch der Keim der Ehr- und Ruhmsucht hervor, und in denen, welche in der
Schlacht sich vorzüglich ausgezeichnet hatten, war ein Toben, ein Streben
entstanden, das ihnen nachher die stillen häuslichen und ländlichen Geschäfte
unschmackhaft machte. Man focht Mann gegen Mann; die Niederlage der Nubier war
groß; viele von ihnen wurden gefangen; keiner von abyssinischer Seite. Noch
kannte man die Spekulation nicht, Menschen gegen Geld und Ware umzusetzen; also
nahm jeder seinen Gefangenen mit sich nach Haus und betrachtete ihn als seinen
Knecht. Die Erbitterung aber gegen sie war so groß, dass man diese Gafangenen
nicht wie andre Knechte, die, wie vorhin ist gesagt worden, immer wieder frei
werden konnten, behandelte, sondern ihnen die schwerste Arbeit aufbürdete, ihnen
schlechtere Kost und Kleidung gab und ihnen nicht das Recht zugestand, sich frei
zu machen, in ihr Vaterland zurückzukehren oder sich in Abyssinien festzusetzen.
Das war denn die Entstehung des unnatürlichen Sklavenstandes. Wie man sich
indessen an alles gewöhnt, so hörten diese Sklaven zuletzt auf, den Verlust
ihrer Freiheit zu fühlen, besonders wenn sie das Glück gehabt hatten, an gute
Herren zu geraten, und weil sie denn doch ohne häusliche Sorgen lebten, indem
die Herren ihnen alle Bedürfnisse des Lebens reichen mussten. Ja, da es hübsche
Männer unter ihnen gab, so geschah es zuweilen, dass die Liebe, die keinen
Unterschied der Stände kennt, zwischen ihnen und den Töchtern des Landes
Ehebündnisse zustande brachte. Nun wurde durch ein Gesetz verordnet, dass auch
die Weiber, Kinder und deren Abkömmlinge Sklaven sein sollten - also
Sklavenfamilien! Dass durch diese Einrichtung wieder ein großer Unterschied in
den Vermögensumständen der Eingebornen entstand, ist sehr natürlich; denn wer
viel Sklaven hatte, konnte nicht nur größere Anlagen machen, von denen er den
ganzen Vorteil zog, sondern man kam auch bald auf die Finanzoperation, seine
Sklaven zu vermieten.
    Jedermann hatte freie Macht, mit seinem Vermögen, also auch mit seinen
Sklaven, nach Gutdünken zu schalten und zu walten. Hatte nun ein gutmütiger Herr
einen seiner Sklaven liebgewonnen oder dieser hatte des Herrn Tochter zum Weibe
gemacht oder der Herr hatte nicht Arbeit genug für ihn, so schenkte er ihm und
seiner Familie die Freiheit. Diese Freigelassnen genossen dann alle Rechte der
Einheimischen, und da
