 zu ersteigen
möglich, nützlich, ja, zur Erziehung dieser Generationen für eine höhere Sphäre
nötig war - nötig war, um die Triebfedern des Strebens, des Forschens und
Wirkens, die der Zweck des Erdenlebens sind, aufs neue anzuspannen; weil nun
einmal unter dem Monde über einen gewissen Punkt des Wissens und Wollens nicht
hinauszukommen und Ruhe, Untätigkeit, klares, unvermischtes Anschauen und
Durchschauen nicht die Bestimmung des ungeläuterten Geistes ist, solange er in
Menschenformen sichtbar wirken muss, bis alles, auch der gröbeste Stoff,
bearbeitet und veredelt worden und alle Form aufhört.
    Allgemein, über den ganzen Erdboden verbreitet, kann eine solche Revolution
nie sich erstrecken, hat nie sich so weit erstreckt, darf das auch nicht - das
haben alle verständige Naturkündiger und Philosophen eingesehen.
    Je nachdem nun entweder kein einziger von denen, welche dies zerstörte Stück
des Erdbodens bewohnt haben, sich rettet und also die neue Bevölkerung aus
andern benachbarten oder entfernten, zivilisierten oder barbarischen Ländern her
unternommen wird, oder je nachdem die, welche dem Sturme entkommen, viele oder
wenige an der Zahl, alte oder junge, kultivierte oder unwissende Menschen sind:
je nachdem fängt denn auch die neue Generation den Zirkel der Kultur ganz von
vorn oder in der Mitte wieder an. Immer aber folgt unvermeidlich, dass die
Nachrichten, welche die Personen uns von jener wichtigen Katastrophe geben
können, weil sie in ihrem hülflosen Zustande nötigere Dinge zu tun haben als
Anstalt zu Verfertigung von Geschichtbüchern zu machen, durch die mündlichen
Überlieferungen äußerst unzuverlässig werden müssen. Ebenso unvermeidlich folgt,
dass der Zustand der neuen Bevölkerer dieses wüsten Erdstrichs, wären sie auch
noch so kultivierte, Menschen, sich doch sehr dem ersten rohen Zustande der
Natur nähern muss, teils weil es ihnen an allen Hülfsmitteln, Werkzeugen,
Veranlassungen fehlt, an etwas anders als die nötigsten Bedürfnisse zu denken,
und der verwilderte Boden sich weigert, das Erforderliche zu den
Gemächlichkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens herzugeben, teils weil eine
Menge konventioneller Begriffe, die im geselligen und bürgerlichen Leben
unendliche Mannigfaltigkeiten, Gesetze, Wünsche, Freuden, Pflichten, Unruhen,
Unternehmungen etc. erzeugen - hier gänzlich wegfallen.
    Die älteste Geschichte jedes Volks ist daher, kleine Modifikationen
abgerechnet, die Geschichte fast aller Völker. - Das ist nicht auffallend; aber
auffallender ist es wohl und doch nicht weniger wahr, dass auch die nachfolgenden
Veränderungen, die mit der Kultur und allen moralischen und politischen
Umschaffungen vorgehen, in allen Reichen, wenn man die Geschichte derselben von
ihrem Schmucke und von den Episoden entblößt und über das langsamere und
geschwindre Fortrücken hinausgeht, in allen Teilen der Welt nach einem und
demselben Systeme herbeigeführt werden.
    Indem ich nun eine Skizze von der Geschichte des Königreichs Abyssinien
entwerfe, wünsche ich, dass die Leser
