 Gute ernstlich und
uneigennützig wünschen, unendliche Schwierigkeiten finden, es durchzusetzen,
weil die Zahl der Edlern immer die kleinere Zahl ist, der größere Haufen aber
teils aus Schelmen, teils aus unbedeutenden Menschen besteht, die nicht zu
erwärmen sind und sich leichter von Schurken und Schleichern als von graden,
edlen Männern stimmen lassen. Da lässt man denn kein eminentes Genie emporkommen,
sondern macht es dem Volke verdächtig; da heißt Eifer für das Gute -
Empörungsgeist, Bekämpfung schädlicher Missbräuche und Vorurteile -
Neuerungssucht und Ketzerei; da heißt der Mann, der die Schliche der
heuchlerischen Bosheit aufdeckt und der ernstaften Dummheit die Larve abreisst -
ein Satiriker, ein gefährlicher Friedensstörer. - Oh! wer würde nicht lieber
einem gekrönten Pinsel gehorchen, der doch nicht unsterblich ist und endlich
einmal einem bessern Menschen Platz macht, als das Joch von unzähligen solchen
Geschöpfen tragen, die nie aussterben?
    Und nun, liebe Leser, muss ich Sie, ehe ich dies Kapitel schließe, fragen, ob
Sie, bei der Schilderung des Despotismus in Nubien, nicht mit mir Ihr Schicksal
gesegnet haben, das Sie in Europa hat geboren werden lassen, wo wir dergleichen
Tyranneien nicht kennen, wo die Rechte der Menschheit heiliggehalten werden und
die echte Philosophie Regenten und Volk über ihre gegenseitigen Pflichten
aufgeklärt hat? Aber auch in Nubien wird es einst dahin kommen, dass man diese
Rechte und Pflichten näher beleuchtet. Dann wird man es laut und kühn sagen: es
ist gegen die Ordnung der Natur, dass Millionen bessere Menschen, ohne Wahl, ohne
Übereinstimmung, grade dem Schwächsten, dem Elendesten unter ihnen gehorchen;
gegen die Ordnung der Natur, dass nicht das Gesetz, sondern die Willkür eines
einzigen Tod und Leben, Eigentum, Ehre und Schande frei und gleich geborner
Menschen bestimmen soll, dass ein Knabe, ein Blödsinniger, ein Bösewicht an der
Spitze großer, edler, gesunder und weiser Männer stehen und diese zum Spielwerke
seiner Grillen und Torheiten machen soll; gegen die Ordnung der Natur, dass es
vom blinden Ungefähr abhängen soll, ob der, welcher in ein Hospital oder
Waisenhaus gehörte, auf einem Fürstentrone sitzen und mit Ländern und Völkern
Possen treiben soll; gegen die Ordnung der Natur, dass man Menschen und Provinzen
und Recht über Leben und Tod erben kann. Wir wollen gern gehorchen, aber nur den
Gesetzen, denen wir uns freiwillig unterworfen haben, nicht der Willkür, und
einer soll an unsrer Spitze stehen und über Haltung der Gesetze wachen; aber
dieser eine soll ein weiser und guter Mann und, wäre er auch nicht der Beste und
Weiseste unter uns, wenigstens nicht der allgemein anerkannt Schwächste und
Schlechteste sein. Unsre Fürsten sollen es erfahren, dass alles, was sie besitzen
und verwalten, unser Eigentum ist;
