 auszurotten! Jetzt ist der Zeitpunkt da - so
vorteilhaft kommt er gewiss nie wieder; begnügt ihr euch aber jetzt mit halben
Verbesserungen, so habt ihr ewiges Flickwerk.
 
                           Fünfundzwanzigstes Kapitel
                    Des Verfassers Gespräch mit dem Prinzen
Bevor der edle Prinz diesen Entwurf den versammelten vierundzwanzig Deputierten
der Nation vorlegte, war er so gütig, ihn meinem Herrn Vetter und mir zum
Durchlesen zu geben. Ich war so entzückt über den Inhalt - er war so ganz aus
meiner Seele hingeschrieben -, dass ich mich in dem Drange meiner Empfindungen
dem Prinzen zu Füßen warf und ausrief: »Erhabenster Monarch! Wie ist es möglich,
dass ein Fürstensohn so den heiligen Naturgesetzen und Menschenrechten das Wort
reden kann? Du allein bist würdig, als König und Kaiser über Abyssinien, ja,
über die ganze Welt zu herrschen. Oh! erlaube mir, dass ich diesen Entwurf in
Deutschland drucken lasse, damit meine Landsleute gewahr werden, dass noch ein
Platz auf dem Erdboden ist, wo die gesunde Vernunft nicht ganz durch die
konventionellen, erkünstelten Begriffe ist verdrängt worden! Erlaube, großer
Monarch, dass ich zugleich die Geschichte dieses Reichs und die Erzählung dessen,
was ich selbst nebst meinen deutschen Gefährten hier erlebt habe, der Welt
mitteile! Erlaube endlich, dass ich mein Buch unter deinem Schutze, mit deinem
Privilegio versehen, herausgebe! Vielleicht respektieren die räuberischen
Nachdrucker mehr diesen abyssinischen Schutzbrief als die Privilegien, welche
unsre Fürsten erteilen, gegen die sie sowenig Achtung bezeugen. Ich will dies
Werk in einem Lande herausgeben, das von einem edeldenkenden, großen Könige
regiert wird, der Menschenwürde ehrt, in dessen Staaten die Rechte des Eigentums
heiliggehalten werden, wo persönliche Sicherheit unangetastet bleibt, wo auch
der geringste Untertan, geschützt vor jeder Gewalttätigkeit, selbst gegen die
Landesregierung frei seine Rechte verfechten darf, wo Gesetze, nicht Willkür,
das Schicksal der Untertanen bestimmen, wo man der Wahrheit, die mit
Bescheidenheit vorgetragen wird, kein Stillschweigen auflegt - dort will ich
mein Werk drucken lassen, und es wird gewiss Beifall finden.«
    PRINZ: Stehe auf, Noldmann! Ich sehe wohl, dass du den Europäer nicht ganz
vergessen kannst, soviel Sinn du auch für Wahrheit und Freiheit zu haben
scheinst. Du glaubst mich zu ehren, indem du mich zum Monarchen von Abyssinien
erheben willst, und überlegst nicht, dass mir dein Lob tausendmal willkommner
sein würde, wenn du mir sagtest, dass du mich würdig hieltest, ein Privatmann in
einem freien Staate zu sein. Du glaubst mit der Bekanntmachung meines Entwurfs
in Deutschland große Ehre einzulegen und bedenkst in dem Augenblicke nicht, dass
eure schiefköpfigen Rechtsgelehrten ihn um so alberner und phantastischer finden
werden, je mehr gesunde Vernunft darin herrscht. - Doch führe immerhin deinen
Plan aus; aber lass
