. Die übrige Zeit kann er
ruhig zu Hause bleiben.
    Drei Jahre seines Lebens hindurch muss aber jeder Abyssinier, auch in
Friedenszeiten, fortgesetzt als Soldat dienen. Diese fangen mit seinem
zwanzigsten Jahre an, das heißt, bevor er sich häuslich niederlässt. Ihm wird
dann vom Staate eine vollständige Kleidung gegeben, die er aber hernach auf
seine Kosten unterhalten muss; er lernt den Dienst und muss alles tun, was einem
Soldaten obliegt; der Staat gibt ihm nur Brot; allein da er, wie man nachher
hören wird, in seiner Heimat bleibt und nebenher seinen Unterhalt erwerben kann,
man ihn auch für die öffentlichen Arbeiten, wozu das Heer gebraucht wird, zum
Beispiel Straßen, Dämme, Wasserleitungen, etc. anzulegen, besonders bezahlt, so
kann er keinen Mangel leiden. Dieser Dienst ist aber nicht schwer, und wird ein
Jüngling dadurch gewiss nicht in der Wissenschaft, der Kunst oder dem Handwerke,
das er gewählt hat, binnen diesen drei Jahren zurückkommen, indem ihm Zeit genug
übrigbleibt, sehr viel nebenher zu arbeiten. Nach Verlauf der drei Jahre geht er
nach Hause und ist, außer den jährlichen vierzehn Tagen, wo die Waffenübungen
getrieben werden, und außer dem Falle, wenn Krieg entsteht, völlig frei.
    Jede Provinz hält in Friedenszeiten nur ein Regiment, das aus zwölf
Kompanien, drei zu zweihundert und neun zu hundert Mann, besteht. In jedem der
drei großen und neun kleinen Dörfer liegt eine dieser zwölf Kompanien, die aus
den Jünglingen desselben Dorfs zusammengesetzt ist, so dass also keiner durch
seinen Soldatendienst sich von seiner Heimat entfernt. Dies macht zuerst, in den
zwölf Provinzen, ein Kriegsheer von achtzehntausend Mann, das in Friedenszeiten
auf den Beinen und zur innern Sicherheit und den öffentlichen Arbeiten
hinlänglich ist. Sobald eine Armee zur Verteidigung des Reichs zusammentreten
und nun jeder Bürger unter sechzig Jahren die Waffen ergreifen muss, werden aus
jedem kleinen Regimente vier stärkere gemacht. Dann haben wir ein furchtbares
Heer, furchtbarer noch, weil es nicht aus Mietlingen und Fremden, sondern aus
freien Menschen besteht, die für ihr Eigentum und ihre Ruhe fechten.
    Die Städte liefern die Artilleristen, Ingenieurs, Pontoniers und Pioniers.
Jeder Stadteinwohner muss sich gleichfalls im zwanzigsten Jahre zu einem von
diesen Korps einschreiben lassen und bekommt, während seiner drei Dienstjahre,
unentgeltlich Unterricht in den dazu erforderlichen Kenntnissen.
    Nur wenn Krieg entsteht, schafft der Staat Kamele und Elefanten an und
besetzt diese mit einem Korps von Freiwilligen, die bald eine Fertigkeit
erlangen, mit diesen Tieren gegen den Feind zu operieren, da überhaupt die
Abyssinier zu Leibesübungen sehr geschickt sind. Übrigens machen wir, weil wir
nur Verteidigungskriege führen, wenig Gebrauch von Reiterei.
    Das bleibende Heer der Jünglinge übt sich jahraus, jahrein täglich eine
