! aber ich sehe es nicht ein, wie dabei eine
Notwendigkeit eintreten kann - doch nur weiter!
    ICH: Dann lässt er, durch einen geschickten Rechtsgelehrten, eine Deduktion
verfertigen -
    KAISER: Was ist das für ein Ding?
    ICH: Das ist eine Schrift, darin bewiesen wird, dass dieser König ein Recht
auf diese oder jene Provinz habe.
    KAISER: Ich möchte, bei meiner Seele! wohl einmal sehen, wie man es anfängt,
wenn man beweisen will, dass irgendein Mensch oder irgendein Volk auf irgendein
Stück der Welt ein andres Recht habe als das, was ihm die Stärke gibt. Aber lass
hören! Wird nun der andre dadurch überzeugt? Und wenn er es nicht wird, wer
entscheidet dann? Wer ist Richter?
    ICH: Der Gegenteil schreibt gleichfalls eine Deduktion, und dann greifen sie
zu den Waffen.
    KAISER: Das ist eine dumme Einrichtung. Was kann die unnütze Schmiererei
helfen, wenn man sich einmal vorgenommen hat, seinem Kopfe zu folgen? Ist es
nicht viel ehrlicher gehandelt, wenn man grade zugreift und hinnimmt, ohne den
andern mit Heucheleien zu betriegen? Ist es nicht ehrlicher gehandelt, gar
keinen Frieden zu versprechen, wenn man voraus weiß, dass einmal das, was du
Notwendigkeit nennst, uns bewegen kann, über den Nachbar herzufallen? Wer hält
da mehr Treue und Glauben, ihr oder wir? Aber ohne alle diese unnützen
Versicherungen lassen wir unsre Nachbarn in Ruhe, und nur die falschen Europäer
glauben wir nicht schonen zu dürfen, weil sie unsrer nicht schonen. Wenn wir uns
auf ihre Bündnisse und beschwornen Frieden einliessen, so würden sie auch bald
gegen uns mit ihren Deduktionen, oder wie die Dinger heißen, angezogen kommen.
Jetzt hält die Furcht sie beständig im Zaume, weil sie wissen, dass mit uns nicht
zu scherzen ist.
    Ich sah wohl, dass ich den mohrischen Kaiser nicht überzeugen konnte, und
schwieg also, da ich ohnehin in Marokko nicht als ein Europäer, sondern als
abyssinischer Abgesandter erschien. Übrigens gefiel es mir sehr gut an diesem
Hofe, und ich kann nicht sagen, dass ich, während meines zweimonatlichen
Aufenthalts, die geringste Ungerechtigkeit ausüben gesehen hätte, sowenig gegen
mich als gegen andre. Wenn die Seeräuber die Sache mit dem wahren Namen nennen
und kein anders Recht als das des Stärkern respektieren, so erkennen sie doch
zugleich die Pflicht des Mächtigern, den Schwächern zu schützen, und da sie wohl
einsehen, welche Verwirrung daraus entstehen würde, wenn kein Privatmann sicher
sein könnte, die Früchte seines Fleißes einzuernten, so ist das wahre, selbst
erworbne Eigentum, ohne geschriebne Gesetze, durch Herkommen heilig und
gesichert, außer unter den herumziehenden Horden.
    Die Königreiche Fes und Marokko haben einen Überfluss an
