 Fürst, und wäre seine Macht auch unbegrenzt, ein ganzes Volk
zwingen, einen Menschen für edel zu halten? Wie kann er die Nachkommenschaft
dieses Mannes, die noch nicht existiert, schon zum voraus für edel erklären? Wie
kann der, welcher Verdienste um sein Vaterland hat, die größere Achtung seiner
Mitbürger auf einen andern übertragen, der vielleicht gar keine Verdienste hat,
gar keine Achtung verdient? Wie schreiet man über Ungerechtigkeit, wenn in einem
Lande der rechtschaffne Sohn eines schlechten Vaters einen Teil der Verachtung
und Strafe mit tragen muss, die sein Erzeuger verwirkt hat? - Und dennoch findet
man es billig, dass ein verachtungswerter, dummer Mensch auf die größte äußere
Ehre, auf die höchsten Staatsbedienungen, auf Freiheiten, Vorrechte, Exemtionen,
Einkünfte und andre Vorteile Anspruch machen dürfe, weil das Ungefähr ihn
mutmasslich hat von einer Familie abstammen lassen, von welcher einmal ein Mann
von vorzüglich guten Eigenschaften das Oberhaupt gewesen ist, vielleicht auch
nur diese Vorrechte für sich und die Seinigen erkauft oder erschmeichelt hat!
    Also kein Adel und keine Titel mehr unter uns! Ist es aber nicht grausam und
gewalttätig, einer ganzen Klasse von Bürgern Vorrechte zu rauben, in deren
langjährigem Besitze sie sind? - Nichts weniger! denn nach dieser Lehre dürften
ja gar keine verjährte Missbräuche abgeschafft, keine durch Usurpation
erschlichene Rechte vernichtet werden. Und hätten unsre Vorfahren ihren Tyrannen
und deren Gehülfen jene Privilegien, die wir nun aufheben, durch die heiligsten
Eide auf ewig zugesichert - was kümmert das uns? Durften sie etwas verschenken,
was nicht ihr Eigentum war? durften sie Gesetze geben, die den ersten Gesetzen
der Menschheit widersprechen?
    Allein ich sehe auch schon voraus, wie wenig Verwirrung diese Abschaffung
der erblichen Vorzüge, diese Vernichtung eines falschen Stempels des Verdienstes
stiften wird. Die Edelen unter den Edelleuten werden sich nun freuen, wenn sie
überzeugt sein können, dass sie die Achtung, welche ihnen ihre Mitbürger vor wie
nach beweisen werden, nun wirklich ihrem wahren Werte und nicht dem Vorurteile
zu danken haben; ihre Kinder werden sich bestreben, sich zu guten, nützlichen
Mitgliedern der Gesellschaft zu bilden, um nicht die Demütigung zu erleben,
geringere Vorrechte als ihre Eltern zu genießen. Nur die sogenannten Parvenus,
die so lange nach diesen elenden Vorzügen gekämpft haben, und die Unwürdigsten
unter den jetzt lebenden Edelleuten werden murren und schreien, besonders die
letztern, darüber, dass man ihnen das einzige nimmt, was sie noch ein wenig
emporheben konnte - aber denen geschieht schon recht.
    Dass Sklaverei und Leibeigenschaft von jetzt an auf immer in Abyssinien
aufhören müssen, versteht sich wohl von selber. Wir sind alle freie Menschen,
und wer bei dem andern in Dienste tritt, kann sich jeden Augenblick wieder frei
machen, sobald
