, worauf er denn den Deputierten
eine Rede hielt, die, sowenig sie studiert war, für ein Meisterstück männlicher,
einfacher und erhabner Beredsamkeit gelten konnte. - Ich will nur etwas von dem
Hauptinhalte derselben hier herschreiben; es hieß darin, ihn blende nicht der
Glanz der Krone; er habe gelernt, die Süßigkeit eines den Wissenschaften und der
nützlichen Tätigkeit in kleineren Kreisen gewidmeten Lebens zu schmecken. Er habe
oft gefühlt und fühle noch, wie schwer es sei, sich selber, ohne den Rat eines
weisen Freundes, zu regieren - welche Torheit also, Millionen Menschen nach den
Einsichten seines eignen beschränkten Kopfs und nach den Gefühlen seines leicht
irrezuführenden Herzens lenken und, ohne fremden Beirat, unumschränkt
beherrschen zu wollen! - Ihm sei daher schon der Gedanke einer willkürlichen
Alleinherrschaft unerträglich. Nur nach bestimmten, mit reifer Überlegung
verfassten Gesetzen müssten vernünftige Wesen ihre Handlungen einrichten, nicht
nach den Winken eines einzigen unter ihnen. Indessen sei jetzt ein so
stürmischer Zeitpunkt, wo es nicht möglich sei, über Gründung dieser Gesetze
sogleich einig zu werden. Er wollte also, doch nur auf ein Jahr, das Ruder des
Staats in seine Hände nehmen, nicht als sein Eigentum, sondern als ein ihm
anvertrautes Pfand, bis er es würdigern Händen übergeben könne. Es sei hier
nötig, rasche, entschlossene Schritte zu tun, um der Anarchie zu steuern und
Anstalt zu einer festen Konstitution zu machen. Wenn die Abgeordneten der Armee
dies billigten, so sollten diese dann sogleich sich an die Spitze einzelner
Korps stellen, mit diesen in alle Provinzen des Reichs marschieren und dort mit
vollem Ernst einer militärischen Strenge die Ordnung und Ruhe herstellen. Sie
sollten hierauf Sorge tragen, dass jedes Dorf und jede Stadt einen oder, nach
Verhältnis der Größe, mehr Deputierte, zu welchem die Gemeinen oder Kirchspiele
das größte Zutrauen hätten, ohne allen Unterschied der Stände wählten; solche
Deputierten aus allen den Örtern, welche zu einem Amte gehörten, sollten
wiederum unter sich zwei Männer auszeichnen, zu deren Vorteil sich das Urteil
der mehrsten unter ihnen vereinigte; mehrere Ämter, aus welchen eine Provinz
bestehe, sollten nach eben diesem Maßstabe verfahren; und so würde denn aus
zwölf Provinzen eine Anzahl von vierundzwanzig Menschen zusammenkommen - grade
nicht zuviel, um wichtige Gegenstände mit Ordnung und Ruhe verhandeln zu können,
und nicht zuwenig, um doch die Verschiedenheit der Meinungen und Einsichten zu
nützen! Diese vierundzwanzig Personen sollten sich in Gondar versammeln und ein
Nationalkollegium ausmachen, dessen Präsident er, der Prinz, vorerst zu sein
sich verbindlich mache. Der Zweck dieser Versammlung müsste sein, eine auf
bestimmte Gesetze gegründete Staatsverfassung zustande zu bringen. Einen Plan
hierzu hätte der Prinz, unter Anführung seines weisen Lehrers, schon seit
einigen Jahren fertig liegen gehabt -
