 ich im fünften und sechsten Kapitel des ersten Teils dieses
Buchs von dem Despotismus in Nubien entworfen habe; die Völker seufzten dort
alle unter dem abscheulichsten Drucke; aber noch war die Unzufriedenheit zu
keinem tätlichen Ausbruche gekommen. Ein kleiner Umstand, dergleichen
mehrenteils in dieser Welt die größeren Begebenheiten zu erzeugen pflegt, reizte
die Untertanen des blödsinnigen Königs von Sennar zu einem Aufruhre gegen seine
Stattalter. Man wählte verkehrte Mittel, um die Unruhen zu dämpfen, die dann
bald weiter um sich griffen und sich den mehrsten nubisschen monarchischen und
republikanischen Staaten mitteilten. Der Pöbel, der keine Grenzen kennt, wenn er
einmal die erste Linie überschritten hat, wurde nun in allen Reichen unbändig;
Könige und Fürsten wurden aus ihren Ländern vertrieben, die Volksunterdrücker
ermordet, Gefängnisse erbrochen, Paläste geschleift, Magazine geplündert, ganze
Städte verwüstet. - Freilich gingen dabei fürchterliche Grausamkeiten und
Ungerechtigkeiten vor; aber an wem liegt denn die Schuld, wenn abscheuliche
Missbräuche verzweiflungsvolle Mittel unvermeidlich machen?
    Die abyssinischen Zeitungen waren voll von den Erzählungen dieser Empörungen
in Nubien, und so vorsichtig sie auch waren, dergleichen Unfug als verderblich,
unglücklich und unerlaubt darzustellen, so machten doch diese Erzählungen dem
abyssinischen Volke die Wahrheit einleuchtend, dass tausend vereinigte Menschen
stärker sind als ein einziger und dass jene sich nur so lange von diesem
misshandeln zu lassen brauchen, als es ihnen beliebt. Diese an sich sehr einfache
Wahrheit wurde jetzt laut und öffentlich gesagt und geschrieben.
    Noch war der Zeitpunkt da, wo der Negus alles hätte gutmachen können, wenn
er weise und redliche Ratgeber gehabt hätte; und sollten je ähnliche Szenen in
einem europäischen Staate vorfallen5, so möchte ich wünschen, dass die
benachbarten Fürsten sich an diesen afrikanischen Begebenheiten spiegeln
möchten, um bessere Maßregeln zu nehmen, als damals der Negus nahm. Ein ganzes
Volk ist nicht so leicht zum Aufruhre geneigt, als man gewöhnlich glaubt. Jeder
einzelne liebt seine Ruhe, bauet, bei Revolutionen, nicht so ganz fest auf den
Beistand des Nachbars, hofft noch immer auf bessere Zeiten. Viele sind dann auch
durch Privatinteressen an die jetzige Regierungsform geknüpft; sieht die Nation
nur guten Willen von s des Hofs und darf sich nur vergleichungsweise
weniger gedrückt halten als das benachbarte Volk, so trägt sie mit Geduld das
Joch, wenn dies Joch irgend ein wenig ausgefüttert, ausgepolstert ist. Nur dann,
wenn die Untertanen fast aller Klassen, durch Tyrannei aller Art, so aufs
äußerste gebracht sind, dass sie, deren Leben, Freiheit und Eigentum ja ohnehin
jeden Augenblick von der Willkür ihres Despoten abhängen, bei dem Aufruhre
nichts mehr verlieren und alles gewinnen können, nur dann greifen sie zu diesem
verzweifelten Mittel.
    Hätte daher der Negus Deputierte aus allen Ständen versammelt und, ohne von
seiner wahren Würde etwas
