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ein größerer Mann gewesen als der hochgepriesene Wohltäter des
Menschengeschlechts und dass alles gut und groß sei, wozu Kraft gehörte.
Vergebens suchten einige ernsthafte Männer zu beweisen, dass Auflodern nicht
erwärmendes Feuer, Stoß nicht Kraft genannt werden dürfe; dass wahre Kraft und
Festigkeit und Mut im Ausdauern, in konsequentem, regelmässigem, bestimmtem
Fortrücken zu reinen, verständigen Zwecken besteht. - Man spottete der Pedanten
und rasete darauflos. Auch in den Wissenschaften und Künsten warf man alle
Regeln zur Seite und verschrie die Vorschriften, welche aus der Natur geschöpft
waren, als schändliche Fesseln des höheren Genies.
    Diese Periode erhielt sich bis zu der größeren Revolution, wovon ich in der
Folge reden werde, und schien auch in der Tat äußerst passend für die
Abyssinier, wie sie jetzt waren. Weichlichen, verzärtelten Menschen, mit äußerst
reizbaren Nerven und dabei gewöhnt an Üppigkeit und Wohlleben und sinnlichen
Kitzel, deren Phantasie immer mit der gesunden Vernunft davonlief und die dabei
jede dauernde Anstrengung flohen, solchen Menschen war freilich ein System
willkommen, nach welchem ihre Ausschweifungen gerechtfertigt wurden, ihre
Fieberwut für Kraft, ihre Unverschämtheit und Regellosigkeit für angeborene
natürliche Freiheit und ihr polyhistor'sches Geschwätz für Gelehrsamkeit galt.
    Es ist nun Zeit, auch zu sagen, wie sich die Priester hiebei betrugen. Aus
der neueren Geschichte von Abyssinien, die ich im ersten Teile dieses Buchs
vorgetragen habe, wird man sich noch erinnern, dass das Ansehen der Geistlichkeit
und der edelen Ortodoxie unter der Regierung des zuletzt verstorbnen Negus nicht
eben sehr groß war. Als nun die Aufklärung so mächtige Fortschritte machte, man
allen Zwang abschüttelte und eine gewisse Kühnheit in Grundsätzen und Handlungen
allgemein wurde, da kam denn auch die Reihe an das Kirchensystem. Die Zeiten
waren vorbei, wo man sich mit unnützen Grübeleien über Glaubenslehren abgab;
aber auch die Zeiten waren vorbei, wo man sich von dem Priesterstande
vorschreiben ließ, was man glauben und denken sollte. Jetzt, da es auf alle
Weise, wegen des unangenehmen Gedränges, in welches zuweilen die jetzige
Moralität mit dem Religionssysteme kam, bequemer war, auch dieses wegzuwerfen,
machte man dazu Anstalt. Allein es war dem Genius des Zeitalters zuwider, dies
mit einigem Forschungsgeiste zu unternehmen; leichter war es, auch in diesem
Fache, wie in allen übrigen, mit Spott und Persiflage das anzugreifen, was zu
mühsam mit Gründen zu bekämpfen war, und da der alte Negus die Pfaffen nicht
schätzte und selbst immer aufgeklärter und toleranter wurde, so mussten die
geistlichen Herren dies wohl geschehen lassen. Um jedoch nicht allen Einfluss zu
verlieren, dreheten die Feinsten unter ihnen den Mantel nach dem Winde, fingen
selbst an, Duldung zu predigen und die Glaubenslehre nach Zeit und Umständen zu
modifizieren. - - Wie konsequent dies
