 eine neue
Welt, arbeiteten ins Wunderbare hinein, stellten Ideale von Menschen dar, wie
sie nun freilich der Schöpfer nicht zu liefern imstande ist, und ließ ihre
Helden die unerwartetsten, unerhörtesten Schicksale, Freuden und Leiden erleben.
Nun wurde die Phantasie der Jünglinge und Mädchen hoch über die gewöhnliche Welt
hinaus erhoben; nun war alles, was sie umgab, ihnen zuwider; alles ekelte sie
an; der gemeine Gang der Dinge war nichts für sie. Ein Mädchen hielt sich für
verloren, wenn sie, ohne vorhergegangne Entführung, mit Beistimmung ihrer braven
Eltern, einem ehrlichen Kerl die Hand als Gattin reichen sollte, und ein
Jüngling, in dem der Geist der Aventure in Brand geriet, lief ohne bestimmte
Ursache in die weite Welt hinein, um zu sehen, was die wohltätigen Feen da für
ihn tun würden.
    Als die Ideale, welche auf diese Weise den jungen Leuten in den Kopf gesetzt
waren, sich nirgends realisiert finden wollten, da ging das Winseln über die
erbärmliche Alltagswelt los. - So nannte man die Welt, welche der Schöpfer
selbst recht gut fand, als er sie fertig hatte! Nun schrieben die Herren
Büchermacher nur klägliche, rührende Geschichten; alles jammerte, empfindelte,
seufzte. Diese empfindsame Periode griff dann die Nerven gewaltig an; jedermann
klagte über Kränklichkeit und Vapeurs, beschwor einen Freund, ihm einen Dolch in
das Herz zu stoßen, um dem Leben voll Jammers ein Ende zu machen, und beschwor
die Sterne, mitleidig auf das Elend dieses Erdenlebens herabzublicken.
    Aber bald erwachte der Geist andrer Schriftsteller voll Drang und Kraft.
Diese sprachen der Jugend Mut ein, ermunterten sie, nicht zu verzweifeln,
sondern das Übel mit der Wurzel auszureissen. Die leidigen Konventionen und
Regeln und Moralien - das waren die Fesseln, in denen die freie Menschheit
seufzte und die man brechen musste. - Fort also mit dem Zwange, den sogenannter
Anstand, unnatürliche Gesetze, eingebildete Regeln auflegen! Dem Herzen, der
Natur, den innern Trieben gefolgt und umgestürzt, was dem Genuße, für welchen
wir geschaffen sind, und der Entwicklung größerer Kraft entgegen ist! - Das war
die Parole, mit welcher nun das Reich des Geniewesens anfing. Nun trotzte der
Jüngling kühn den langweiligen Vorschriften des Sittenpredigers, warf das Joch
des bürgerlichen Zwanges und der feinern Lebensart weg, ließ die Haare um den
Kopf hängen, nahm seinen Knotenstock in die Hand und ging, wohin ihn zu gehen
gelüstete, wäre es auch in das Ehebette seines Bruders und Freundes gewesen. Er
folgte seinen Trieben, und die Schriftsteller bewiesen ihm, dass kein Mensch
anders handeln könne, als er handelt, dass oft der, welchen die ganze Welt für
einen Bösewicht, Verwüster und Zerstörer der öffentlichen Ruhe gehalten hätte
