 ebenso auf wie das
Fieber in einem durch eine starke Wunde Verletzten. Gegen diesen Ateismus ist
der der Vernunft eine Schimäre; denn der Mann, der denkt, sucht Ursachen zu
Wirkungen auf, und diese Beschäftigung, da sie ihn endlich zu den Grenzen des
menschlichen Geists leiten muss, legt dem Kühnsten eine Fessel an, die ihn
wenigstens so weit bändiget, dass er nie gänzlich in das dunkle, große Nichts
verschleudert werden kann. Vergebens ist die Warnung: die moralische Welt hat
ihre Aufrührer wie die politische und muss sie haben. Wenn jene von der aus
Schatten gebauten Brücke, die sie aus der Sinnenwelt in die intellektuelle zu
ziehen streben, uns zur Lehre herunterstürzen, so ruft uns das Opfer dieser zu,
unsern Menschenwert nicht in allzu träger Sicherheit zu verschlummern. Man
verzeihe mir die Ausschweifung. - Faust wusste von Frankreichs König nichts, als
dass er sich den Allerchristlichsten nennen ließ, der erste sei, der die Vasallen
seines Reichs gedemütigt und die Rechte der Krone gegen sie behauptet hätte,
übrigens von allen andern Höfen gefürchtet würde, weil ihm jedes Mittel zu
seinem Zwecke gleich sei und man kein Beispiel habe, dass er sein Wort gehalten
hätte, wenn nichts dabei zu gewinnen war. Er sollte nun Zeuge der Mittel werden,
die er zu seinen Zwecken anwendete.
    Der Teufel hatte durch seine ausgesandten Kundschafter erfahren, dass der
allerchristlichste König soeben einen Staatsstreich auszuführen gedächte, sich
seines Bruders, des Herzogs von Berry, zu entledigen, um die ihm abgetretne
Provinz der Krone einzuverleiben. Er versäumte nicht, Fausten zum Zuschauer
dieser Szene zu machen. Sie ritten an einem Lustwald vorüber, der an ein Schloss
stieß, und sahen in demselben einen Benediktinermönch, der sein Brevier zu beten
schien. Der Teufel freute sich innig des Anblicks, denn er las auf der Stirne
des Mönchs, dass er soeben die Mutter Gottes anflehte, ihm bei dem großen
Unternehmen, das ihm sein Abt aufgetragen, beizustehen und ihn nach glücklichem
Erfolge aus der Gefahr zu erretten. Dieser Mönch war der Bruder Faver Vesois,
Beichtvater des Bruders des Königs. Der Teufel überließ ihn seinen frommen
Betrachtungen und ritt mit Fausten nach dem Schloss, wo sie als Fremde von
Stand, die gekommen waren, dem Prinzen ihre Achtung zu bezeugen, gütig
aufgenommen wurden. Der Prinz lebte auf diesem Schloss mit seiner Geliebten
Montserau in Ruhe und Vergnügen, dachte kein Arges und erwartete kein Arges.
Faust wurde von seinem angenehmen Betragen sehr eingenommen und freute sich,
einen königlichen Prinzen zu sehen, der als Mensch tat und redete, da er bei den
deutschen Fürsten gewohnt war, nichts zu sehen als steifen Stolz und hölzernes
Zeremoniell, das um so unerträglicher ist, da es jedem Verständigen ihre
Kleinheit und Schwäche nur
