 sanft dahinfliessen, so konnte es ihm
nicht an Anbetern fehlen. Es tut so wohl, sich als ein vielgeliebtes, vorzüglich
besorgtes Schosskind der Gottheit anzusehen und über die übrigen rohen Söhne der
Natur mit Verachtung und Mitleiden hinzusehen! Unser Mönch blieb aber nicht bei
dem Menschen allein stehen, er stieg auch zu den andern unedlen Tieren der Erde
herunter, bestimmte ihre Eigenschaften aus ihren Gesichtern, ihrem Baue und
glaubte große Entdeckungen gemacht zu haben, wenn er aus den Klauen, den Zähnen,
dem Blick des Löwen und dem schwächlichen, leichten Baue des Hasens bewies,
warum der Löwe kein Hase und der Hase kein Löwe sei. Es wunderte ihn gewaltig,
dass es ihm gelungen, die bestimmten und unveränderlichen Merkzeichen der
tierischen Natur so klar beweisen und auf den Menschen anwenden zu können, ob
gleich die Gesellschaft das Gesicht des letztern zur Maske geschliffen hat und
er nie einen in seinem ursprünglichen Zustand sah. Hierauf drang er selbst in
das Reich der Toten, zog die Schädel aus den Gräbern, die Gebeine der Tiere aus
den Gruben und zeigte den Lebenden, wie und warum die Toten so waren und wie sie
vermöge dieser Knochen so und nicht anders sein konnten. Zu was für gefährlichen
Schlüssen könnten diese Voraussetzungen einen Sophisten oder einen Menschen, der
gern seine Schlechtigkeit von sich wälzen möchte, verleiten? Soll, kann der
Mensch durch Kunst ersetzen, was durch natürliche Anlagen in ihm verhunzt ist?
    Dem Teufel war dieser Spuk bekannt, und er merkte wohl, da sie im Wirtshause
bei Tische saßen, dass einige Anwesende und selbst der Wirt ihn und Fausten mit
besondrer Aufmerksamkeit betrachteten und sich leise ihre Beobachtungen
mitteilten, während sie verstohlen ihre Profile zeichneten. Auch zu Faust war
der Ruf dieses Wundermanns gedrungen, hatte ihn aber bisher so wenig
interessiert, dass er auf dieses Geflüster nicht aufmerksam wurde. Da sie nun auf
den Platz kamen, überraschte sie ein ganz neues Schauspiel. Dieses Gewimmel von
Menschen war die echte Schule der Gesichtsspäher. Jeder konnte da seinen Mann
fassen und sein Gesicht auf die Waage legen, die Kräfte seiner Seele abzuwägen.
Einige stunden vor Müllereseln, Pferden, Ziegen, Schweinen, Hunden und Schafen,
andre hielten Spinnen, Käfer, Ameisen und andre Insekten zwischen den Fingern,
forschten mit scharfem Blick nach ihrem innern Charakter und suchten zu
entwickeln, wie sich ihr Instinkt aus dem Äußeren bestimmen ließe. Einige maßen
Schädel von Menschen und Tieren aus, beurteilten das Gewicht und die Schärfe
ihrer Kinnladen und Zähne und rieten, welchem Tier sie zugehörten. Da aber Faust
und der Teufel unter sie traten, hörte man sie ausrufen: »Welch eine Nase!
Welche Augen! Welch ein forschender Blick! Welch eine liebliche sanfte Rundung
des Kinns! Welche Kraft ohne Schwäche
