, der ihr sein Leben weiht. So haben wir dies Gefühl
erkünstelt, und unsre tierische Natur, die uns durch die Sinne zum Genuss des
Augenblicks treibt, weiß nichts davon. In törichter Hoffnung, in stolzem
Wahnsinn blicken wir zu dem Himmel auf und erwarten in der fernen, ungewissen
Zukunft den Lohn unsrer Unterwerfung, während der Triumph und Spott des Lasters
um uns her erschallt. Hier schwebe ich zwischen meinem zerrissnen Herzen und
meinem empörten Verstand, wie der verzweifelnde Schiffer auf dem brausenden
Meere, dessen Fahrzeug der Blitz entzündet hat. Vernichtung droht ihm die Glut,
Vernichtung die tobenden Wellen. Was soll mir dieses Mitleiden, das mein Herz
bei dem Leiden des Menschengeschlechts auflöst? Es werde zu Stein wie die Herzen
der Großen und Mächtigen, die die Menschen bloß zu Mitteln ihrer Zwecke nutzen.
Ihnen muss ich nun gleich werden und Hohn der Menschheit sprechen. Dass der Keim
meines Daseins in dem Schoße meiner Mutter vertrocknet wäre! Dass nie meine
Nerven diese Reizbarkeit erhalten hätten, nie das Gefühl von Recht und Unrecht
in meiner Brust erwacht wäre! Musste ich dies an dem Menschen erfahren, um in
Gegenwart des Teufels seine Natur zu lästern! Noch einmal, listiger Sophist,
löse mir diese Rätsel auf, entülle mir dies Geheimnis, und wenn auch Gespenster
aus dem Dunkel hervorsprängen, die mich durch ihren Anblick töteten.
    TEUFEL: Beruhige dich und schüttle diese Zweifel ab, keinem, in Fleisch
gehüllt, ist es gegeben, diesen Knoten zu lösen, und Tausende werden sich daran
erwürgen. Vergiss den Zweck nicht, den wir uns bei unsrer ersteren Zusammenkunft
vorgesetzt haben.
    Ich versprach, dir den Menschen nackend zu zeigen, um dich von den
Vorurteilen deiner Jugend und deiner Bücher zu heilen, damit sie dich im Genuss
des Lebens nicht stören möchten; und wenn du wirst eingesehen haben, dass die
sogenannte Leitung des Ewigen, dem du um meinetwillen entsagt hast und vor
dessen Angesicht ihr ungehindert die scheusslichsten Greuel begeht, nur Wahn
eures Stolzes ist, und dir dann noch Kraft im Herzen übrigbleibt, so will ich
dir die schaudervollen Geheimnisse eröffnen, die dich nun umhüllen.
    FAUST mit bittrem Gelächter: Nun, bei dem Dunkel der Hölle, das uns bei
unsrer Geburt bis zum Grabe umdampft, so wär ich noch der Gescheiteste von
allen, dass ich dem Wirrwarr entgangen bin und dadurch, dass ich mich dir ergab,
mein Schicksal willkürlich bestimmte, es entschied, wie es einem freien Wesen
zusteht. In sich mit verbissner Wut. Einem freien Wesen! ha! ha! ha! Ja, frei wie
der Jagdhund, den ich am Seile leite und den der Instinkt fortreisst, wenn er das
Wild wittert.
    TEUFEL: Glaube mir, Spötter, besässen die Menschen
