 da
ich mich nach Gesetzen umsah, die einem jeden diese Lage, sein Gut und seine
Person sicherten, so fand ich nichts als ein wildes Chaos, das tyrannische
Gewalt geflissentlich zusammengemischt hat, um sich zum eigenmächtigen Herrn des
Glücks und des Daseins der Untertanen zu machen. Nach dieser Entdeckung schien
mir das ganze Menschengeschlecht eine Herde zu sein, gegen die sich eine Bande
Räuber verschworen hat, sie nach von ihnen nur zu ihrem eignen Vorteil
entworfnen Gesetzen zu plündern und zu würgen, ohne dass sie selbst eins
erkennen. Denn wo ist das Gesetz, das die Herrscher der Erde fesselt? Ist es
nicht Unsinn, dass eben diejenigen, die ihre Macht dem Missbrauch der
Leidenschaften und des Übermuts am meisten aussetzt, keinem Gesetz unterworfen
sind und keinen Richterstuhl anerkennen, der sie zur Verantwortung ziehen
könnte? Wollt Ihr den Himmel dafür annehmen, meinetwegen, sie stehen sich gut
dabei, er scheint taub gegen das Winseln der Elenden, der Jammer ist nah, die
versprochne Rache ferne, und dies reimt sich schlecht mit dem Gefühl und der
Natur des Menschen.«
    Faust fasste dieses stark auf, blickte düster und strich über seine Stirne.
Den Teufel ergötzte der Redner, er fuhr fort:
    »Der wilde Ungestüm, den ich nach dieser Entdeckung äußerte, macht meinem
Herzen Ehre, und ich kümmre mich wenig darum, dass meine Feinde meine Klugheit
antasten. Denn was anders heißt den Menschen Klugheit als blinde Unterwerfung,
Niederträchtigkeit, Schmeichelei, Gleichgültigkeit darüber, wie man einen Posten
erschleicht, wenn man nur dahingelangt, mit zu unterdrücken und mit zu plündern?
Nur dieses nennen sie klug sein, aber ein Mann wie ich sucht das Glück auf
reinern Wegen. Mein Unglück war, dass ich mit dem jetzigen Minister von der
Schule an aufs innigste verbunden war. Er besitzt den Geist, der dazu gehört,
emporzukommen, von frühster Jugend suchte er durch mir entgegengesetzte
Grundsätze Aufsehn zu machen und verteidigte in eben dem Masse die tyrannische
Regierungsformen, als ich sie antastete. Wir stritten über diesen kitzlichen
Punkt geheim und öffentlich, ich schlug ihn mit meiner Beredsamkeit überall
nieder, aber wenn es natürlich war, dass ich den unterdrückten Teil der
Menschheit auf meine Seite zog, so war es noch natürlicher, dass es ihm gelingen
musste, alle die zu gewinnen, deren Vorteil die Unterjochung der Menschen ist. Da
es nun eben diese sind, die ihren Mitverschwornen die Türe zum Glück und den
Ehrenstellen öffnen, so ward er bald hervorgezogen, stieg von Stufe zu Stufe bis
zur Stelle des Ersten im Lande, während ich vernachlässigt, verkannt und
verachtet sitzen blieb. Der Stolze wandte alle Mittel an, mich an sich zu
ziehen, trug mir bald diese, bald jene Stelle an; aber
