 Meinung von dem
Manne, der sich auf Gefahr seines Lebens zum Rächer der Menschen aufgeworfen;
und da er soeben ein Augenzeuge der Folgen tyrannischer Gewalttätigkeit gewesen
war, so forderte er den Teufel schnell auf, ihn zu diesem Doktor zu bringen. Der
Teufel führte ihn seitwärts, schwang sich mit ihm auf den Turm und trat mit ihm
in das Gefängnis des Rächers der Freiheit. Faust sah da einen Mann vor sich,
dessen stolze, kühne, düstere Gesichtsbildung jeden andern als ihn zurückgestoßen
hätte; aber es tat eine ganz andre Wirkung auf ihn, und da er ihn in diesem
entscheidenden Augenblick ruhig und gelassen fand, so setzte seine rasche
Einbildungskraft aus dem, was er gehört hatte und was er vor sich sah, beim
ersten Blick das Bild eines großen Mannes zusammen. Der Doktor schien über ihre
plötzliche Erscheinung gar nicht betroffen. Faust nahte sich ihm und sagte:
    »Doktor Robertus, ich komme, Eure Geschichte aus Eurem eignen Munde zu
hören, nicht als wenn ich daran zweifelte, denn Euer Anblick bestätigt das, was
ich vernommen habe. Ich bin nun gewiss, dass Ihr als ein Opfer der Gewalt fallt,
die das Menschengeschlecht unterjocht und die mich so wie Euch empört. Ich
komme, Euch meine Dienste anzubieten, die Euch gegen allen Schein aus dieser
traurigen Lage retten können.«
    Der Doktor sah ihn kalt an, ließ sein Haupt in seine Hand fallen und
anwortete:
    »Wohl falle ich als ein Opfer der Gewalt und Tyrannei, und was mir das
empfindlichste ist, durch die Hand eines falschen Freundes, der mich mehr seiner
Furcht, seinem Neide, als seinen despotischen Grundsätzen aufopfert. Ich weiß
nicht, wer Ihr seid und ob Ihr mich retten könnt; aber es liegt mir daran, dass
Männer von Eurem Ansehen den Doktor Robertus kennenlernen, der morgen für die
Freiheit blutet. Von frühster Jugend lebte der Geist edler Unabhängigkeit, dem
der Mensch allein das Große, dessen er fähig ist, zu danken hat, in meiner
Brust. Früh empörten meine Seele die Gewalt und Unterdrückung, wovon ich Beweise
sah und in der Geschichte las, ja bis zur Wut entflammten sie mich, und oft
vergoss ich glühende Tränen, dass ich mich unvermögend fühlte, die Leiden der
Menschheit zu rächen; zu meiner Qual erfuhr ich aus der Geschichte der edlen
Griechen und Römer, welche große Ansprüche der Mensch auf Würde und Achtung hat,
wenn ihn die Tyrannen das sein lassen, wozu ihn die Natur gemacht hat. Glaubt
darum nicht, ich sei einer der Toren, welche die Freiheit dahinein setzen, dass
jeder tun kann, was ihm gefällt. Wohl weiß ich, dass die Kräfte des Menschen
verschieden sind und ihre Lage im bürgerlichen Leben bestimmen müssen, aber
