
Zauber gekostet, als der heftigste Durst nach Wahrheit in seiner Seele
entbrannte. Jeder, der diese Sirenen kennt und ihnen ihren betrügrischen Gesang
abgelernt hat, fühlt (wenn er die Wissenschaften nicht als Handwerk treibt) ohne
mein Erinnern, dass ihm sein Zweck, diesen brennenden Durst zu stillen,
entwischen musste. Nachdem er lange in diesem Labyrinth herumgetaumelt hatte,
waren seine Ernte Zweifel, Unwille über die Kurzsichtigkeit des Menschen, Missmut
und Murren gegen den, der ihn geschaffen, das Licht zu ahnden, ohne die dicke
Finsternis durchbrechen zu können. Noch wäre er glücklich gewesen, hätte er mit
diesen Empfindungen allein zu kämpfen gehabt; da aber das Lesen der Weisen und
Dichter tausend neue Bedürfnisse in seiner Seele erweckten und seine nun
beflügelte und zugekünstelte Einbildungskraft die reizenden Gegenstände des
Genusses, die Ansehen und Gold allein verschaffen können, unablässig vor seine
Augen zauberte, so rann sein Blut wie Feuer in seinen Adern, und seine übrigen
Fähigkeiten wurden bald von diesem Gefühl allein verschlungen. Durch die
merkwürdige Erfindung der Buchdruckerei glaubte er sich endlich die Tore zum
Reichtum, Ruhm und Genuss aufgesprengt zu haben. Er hatte sein ganzes Vermögen
darauf gewandt, sie zur Vollkommenheit zu bringen, und trat nun vor die Menschen
mit seiner Entdeckung; aber ihre Laulichkeit und Kälte überzeugten ihn bald, dass
er, der größte Erfinder seines Jahrhunderts, mit seinem jungen Weibe und seinen
Kindern Hungers sterben könnte, wenn er nichts anders zu treiben wüsste. Von
dieser stolzen Hoffnung so tief herabgesunken, gedrückt von einer schweren
Schuldenlast, die er sich durch leichtsinnige Lebensart, übertriebene
Freigebigkeit, unvorsichtige Bürgschaften und Unterstützung falscher Freunde auf
den Hals gezogen, warf er einen Blick auf die Menschen, sein Groll färbte ihn
schwarz, sein häusliches Band, da er seine Familie nicht mehr zu erhalten wusste,
ward ihm zur Last, und er fing für immer an zu glauben, dass die Gerechtigkeit
nicht den Vorsitz bei der Austeilung des Glücks der Menschen habe. Er nagte an
dem Gedanken, wie und woher es käme, dass der fähige Kopf und der edle Mann
überall unterdrückt, vernachlässigt sei, im Elende schmachte, während der Schelm
und der Dummkopf reich, glücklich und angesehen wären. So leicht nun Weisen und
Prediger diesen Zweifel zu heben wissen, so erbittert er gleichwohl, da sie nur
zu dem Verstande reden und das Gefühl durch die tägliche Erfahrung verwundet
wird, das Herz des Stolzen und schlägt den Sanftern nieder. Zu den ersteren
gehörte Faust. Von diesem Augenblick strebte sein gekränkter Geist den
verschlungenen Knäuel aufzuwickeln, über dessen Auflösung so viele Tausende die
Ruhe und das Glück ihres Lebens umsonst verloren haben. Er wollte nun den Grund
des moralischen Übels, das Verhältnis des Menschen mit dem Ewigen, erforschen.
Wollte wissen,
