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    Man bewundre doch hier einen Augenblick mit mir, wie sich darinnen alle Höfe
gleichen, dass meistens die Großen durch das Verdienst, die Arbeit, den Schweiß
der Kleinen die Gunst des Fürsten gewinnen und die Belohnung davontragen.
Leviatan gibt sich geradezu für den Erfinder dieses allegorischen Balletts aus,
lässt sich dafür liebkosen und danken, gleichwohl ist der Autor davon der
bayerische Hofpoet, der erst kürzlich Hungers, folglich in Verzweiflung,
gestorben und so zur Hölle gefahren war. Er verfertigte dieses Ballett auf des
Fürsten Leviatans Befehl, der den Sinn hatte, Talente auszuspähen nach dem
neusten Geschmack seines Hofes, und legte vermutlich die giftige Anspielung auf
die Wissenschaften darum hinein, weil sie ihn so schlecht genährt hatten.
Vielleicht auch, dass Leviatan, der so gut wusste, was dem Satan gefiel, ihm den
Wink dazu gegeben hat. Es sei wie ihm wolle, dieser erntete den Lohn ein, und
der dünne Schatten des bayerischen Hofpoets saß kauernd hinter einem Felsen des
Theaters und sah mit tiefem Schmerz, wie der Satan den Leviatan für seine
Arbeit liebkoste.
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Die frohen berauschten Teufel lärmten hierauf, dass sie das Geheul der Verdammten
selbst überbrüllten. Auf einmal erscholl Fausts mächtige Stimme von der Oberwelt
durch die Hölle. Es war ihm gelungen, durch seinen Zauber bis in den Abgrund zu
dringen und einen der ersten Fürsten des schwarzen Reichs aufzufordern. Seiner
Gewalt war nicht zu widerstehen. Frohlockend fuhr Satan auf: »Es ist Faust, der
da ruft; nur dem Kühnen konnte es gelingen, nur der Verwegne konnte es wagen, so
gewaltsam an die ehernen Pforten der Hölle zu schlagen. Auf! ein Mann wie er ist
mehr wert als tausend der elenden Schufte, die wie Bettler sündigen und auf eine
alltägliche Art zur Hölle fahren.« Er wandte sich zu dem Teufel Leviatan,
seinem Liebling:
    »Dich, den geschmeidigsten Verführer, den grimmigsten Hasser des
Menschengeschlechts, fordre ich auf, hinaufzufahren und mir die Seele dieses
Kühnen durch deine gefährliche Dienste zu erkaufen. Nur du kannst das gierige
Herz, den stolzen, rastlosen Geist dieses Verwegnen fesseln, sättigen und dann
zur Verzweiflung treiben. Fahre hinauf, verjage den Dunst der Schulweisheit aus
seinem Gehirne. Senge durch das üppige Feuer der Wollust die edlen Gefühle
seiner Jugend aus seinem Herzen. Öffne ihm die Schätze der Natur, treibe ihn
hastig ins Leben, dass er sich schnell überlade. Er sehe Böses aus Gutem
entspringen, das Laster gekrönt, Gerechtigkeit und Unschuld mit Füßen getreten,
wie es der Menschen Art ist. Führe ihn durch die wilden, scheußlichen Szenen des
menschlichen Lebens, er verkenne den Zweck, verliere unter den Greueln den Faden
der Leitung und Langmut des Ewigen. Und wenn er dann abgerissen steht von
