 Gefahr deines Lebens retten
müssen. Darauf deutete ich, als ich dir sagte: vermutlich kannst du nicht
schwimmen. Ich warf ihn an das Ufer und verschwand. Dich selbst würde er erkannt
haben, und von Dankbarkeit gerührt, hätte der Zerstörer deiner Familie ihr
Beschützer und Verteidiger werden können.
    FAUST: Quälen kannst du mich, Teufel, aber die Zweifel des Menschen kannst
du aus Stumpfheit nicht lösen oder willst es aus Bosheit nicht tun. Nie drangen
sie giftiger in mein Herz als in dieser Stunde, da ich den Jammer meines Lebens,
meiner Zukunft überblicke. Ist das menschliche Leben etwas anders als ein Gewebe
von Pein, Laster, Qual, Heuchelei, Widersprüchen und schielender Tugend? Was ist
Freiheit, Wahl, Wille, der gerühmte Sinn, Böses und Gutes zu unterscheiden, wenn
die Leidenschaften die schwache Vernunft überbrüllen, wie das tosende Meer die
Stimme des Steuermanns, dessen Schiff gegen die Klippen treibt? Wozu das Böse?
Warum das Böse? Er wollte es so; kann der Mensch den Samen des Bösen aus der
ungeheuren Masse herausreissen, den er mit Willen hineingelegt hat? Noch wütender
hasse ich nun die Welt, den Menschen und mich. Warum gab man mir, der zum Leiden
geboren ist, den Drang nach Glück? Warum dem zur Finsternis Gebornen den Wunsch
nach Licht? Warum dem Sklaven den Durst nach Freiheit? Warum dem Wurme das
Verlangen zu fliegen? Wozu eine unbeschränkte Einbildungskraft, die immer
gebärende Mutter kühner Begierden, verwegner Wünsche und Gedanken? Freiheit dem
Menschen! in dieser verzweifelnden Stunde kann ich noch bei diesem sinnlosen
Worte hämisch lachen. Ja, den Durst nach ihr, den kenne ich, und darum stehe ich
nun in diesem verdammten Kreise. Frei der, auf dessen Nacken das eiserne Joch
der Notwendigkeit von der Wiege bis zu dem Grabe drückt? Wahrlich, wenn er es
umwunden hat, wie man das Joch des Pflugochsens umwindet, so geschah es nicht
darum, dass er unsers Nackens schonte, sondern darum, dass wir die mühsame Furche
des Lebens ganz durchackern sollten und entkräftet an dem Ziele hinsänken. Nun
labe ihn mein Stöhnen, ich habe es erreicht. Zerschlage das Fleisch, das meine
dunkle zweifelvolle Seele umhüllt, nimm ihr das Erinnern, dass sie einen
menschlichen Leib zum Sünder gemacht hat, dann will ich einer der Eurigen werden
und nur im Wunsche des Bösen leben. O der herrlichen Welt, worin der blinde
unterjochte Mensch weise Zwecke aus den Martern, die ihn zerreißen, dem ihn
umheulenden Jammergeschrei der Elenden, dem Siegesgesang der Unterdrücker, der
ihn umgebenden Verwüstung und Zerstörung zusammenlesen soll; worin er nichts
fühlt und sieht als eine unwiderstehliche Tyrannei, die ihn hier und dort vor
Gericht fodert, wenn er laut zu murren
