 zu danken haben.
    Er riss ihn von den Jammernden, sein Weib wollte soeben seine Knie umfassen
und um Erbarmung flehen - Faust wollte sich zu der Unglücklichen neigen, der
Teufel fasste ihn und stellte ihn abermals unter den Galgen bei Worms.
                                       6.
Die Nacht senkte sich schwarz auf die Erde. Faust stund vor dem grausenden
Anblick seines unglücklichen Sohns. Wahnsinn glühte in seinem Gehirne, und er
rief im wilden Tone der Verzweiflung:
    »Teufel, lass mich diesen Unglücklichen begraben, entreisse mir dann das
Leben, und ich will in die Hölle hinunterfahren, wo ich keinen Menschen im
Fleische mehr sehen werde. Ich habe sie kennengelernt, mir ekelt vor ihnen, vor
ihrer Bestimmung, vor der Welt und dem Leben. Die gute Tat zog unaussprechliches
Weh auf mein Haupt, und ich hoffe, die bösen allein sind zum Glück
ausgeschlagen. So muss es sein in dem tollen Sinn des Wirrwarrs auf Erden.
Fördere mich hinunter, ich will ein Bewohner der Hölle werden, ich bin des
Lichts müde, gegen welches ihre Dunkelheit vielleicht Tag ist.«
    TEUFEL: Nicht zu rasch! - Faust, ich sagte dir einst, du solltest das
Stundenglas deiner Zeit selbst zerschlagen, du hast es in diesem Augenblick
getan, und die Stunde der Rache ist da, nach der ich so lange geseufzt habe.
Hier entreisse ich dir deine mächtige Zauberrute und fessle dich in den engen
Bezirk, den ich nun um dich ziehe. Hier sollst du mich anhören, heulen und
zittern, ich ziehe die Schrecken aus dem Dunkel hervor, entülle die Folgen
deiner Taten und ermorde dich mit langsamer Verzweiflung. So jauchze ich, so
siege ich über dich! Tor, du sagst, du hättest den Menschen kennengelernt? Wo?
Wie und wenn? Hast du auch einmal seine Natur erwogen? durchforscht und
abgesondert, was er zu seinem Wesen Fremdes hinzugesetzt, daran verpfuscht und
verstimmt hat? Hast du genau unterschieden, was aus seinem Herzen und was aus
seiner durch Kunst verdorbenen Einbildungskraft fließt? Hast du die Bedürfnisse
und Laster, die aus seiner Natur entspringen, mit denen verglichen, die er der
Kunst und seinem verdorbenen Willen allein verdankt? Hast du ihn in seinem
natürlichen Zustand beobachtet, wo jede seiner unverstellten Äußerungen das
Gepräge seiner innern Stimmung an sich trägt? Du hast die Maske der Gesellschaft
für seine natürliche Bildung genommen und nur den Menschen kennengelernt, den
seine Lage, sein Stand, Reichtum, seine Macht und seine Wissenschaften der
Verderbnis geweiht haben, der seine Natur an eurem Götzen, dem Wahn, zerschlagen
hat. An die Höfe, in die Paläste hast du dich gedrängt, wo man der Menschen
lacht, indem man sie missbraucht, wo man sie mit Füßen tritt, während
