 der in Ozean fällt. Der Teufel erlaubte ihm gerne,
sich in diesem Traume zu wiegen, damit der Schlag, den er voraussah, ihn so
treffen möchte, dass er der Verzweiflung nicht entfliehen könnte. So glich nun
Faust dem welterfahrnen Manne, der seinen Leidenschaften den Zügel gelassen,
solange seine Kräfte dauerten, der das Gefühl der Natur in seinem Herzen
aufgerieben, alles ohne Bedenken der Folgen für sich und andre genossen hat und
nun in Stumpfheit des Geistes und des Herzens bitter in die Welt zurückblickt,
das ganze Menschengeschlecht nach der schwarzen Erfahrung beurteilt, die er
gemacht hat, ohne nur einmal zu bedenken, dass diese Erfahrung ihren Anstrich von
unserm Innern erhält und sich hauptsächlich nach unserm eignen Wert bestimmt.
Nur das feige, schlechte Herz wird schlechter durch Erfahrung, der Edle sieht
die Laster und Verirrungen der Menschen bloß als Dissonanzen an, die die
Harmonie seiner Brust in ein helleres Licht setzen und ihm sein eigenes Glück
fühlbarer machen. Faust, der alle häusliche und innige Verbindung zerrissen
hatte, in dem Lauf seines ferneren Lebens keine mehr aufzufassen strebte, durch
seine Zerrüttung und Denkart nun keiner mehr fähig war, blickte düster in die
Welt und auf die Menschen, bis er, von allgemeinen Betrachtungen auf sich
geleitet, mit Schrecken vor seinem eignen Bilde zurückfuhr. Er fing an zu
überrechnen, was er durch sein gefährliches Wagstück gewonnen hätte, und da er
dieses gegen seine ehemaligen Wünsche, Aussichten und Hoffnungen hielt, so sah
er bald, dass die völlige Ausgleichung so ausfallen müsste, dass er sie nicht
ertragen würde. Der Stolz, die Rolle, die er so kühn unternommen, seiner
ehemaligen Kraft würdig auszuspielen, trat hervor, und der Gedanke, sich der
Zahl derer entrissen zu haben, die eine unbesorgte Hand der Gewalt, der Geissel
der Mächtigen, den Unterdrückern und Betrügern der Menschen unterworfen, alles
genossen zu haben, noch genießen zu können, das Werk seiner eignen freien Wahl
zu sein, das Leere der Wissenschaften eingesehen zu haben, schwellten auf einmal
von neuem seine Segel. Er lachte der Erscheinung seiner kranken Phantasie,
entwarf einen neuen Lebensplan, schmeichelte sich, durch Forschen und Nachdenken
über Gott, die Welt und die Menschen die Rätsel endlich zu enthüllen, von
welchen er glaubte, sie seien dem Menschen nur darum in den Weg geworfen, seinen
moralischen Zustand so unglücklich zu machen als seinen physischen. »Wer diesen
Knoten gelöst oder sich überzeugt hat, dass er nicht zu losen sei«, sagte er in
seinem Herzen, »der macht sich zum Meister seines Geschicks.« Und so wäre er
gewiss aus seinem scholastischen Jahrhundert in unser hell philosophisches
hinüber gesprungen, wenn ihm der Teufel Zeit dazu gelassen hätte.
    Wenigstens war er auf dem Wege
