: Ich verstehe dich. Er war ein Gott und bedurfte nichts, wäre er ein
Mensch und Papst gewesen, er hätte es gemacht wie ich.
    Er fiel nieder, betete den Teufel an und küsste seine Füße.
    Der Teufel stampfte auf den Boden, dass die Villa erbebte. Faust und
Lucretia, Cäsar und die Venetianerin sahen durch die losgefahrnen Türen den
Papst vor der schrecklichen Gestalt des Teufels mit gefaltnen Händen knien, und
dann rief dieser mit bittrem Hohne:
    »Sodomie und dann Anbetung des Teufels! bei dem Satan, dem Herrscher des
dunklen Reichs, ein Papst kann in keinem schöneren Augenblick seines Lebens zur
Hölle fahren.«
    Er fasste den Bebenden, erwürgte ihn und übergab seinen Schatten einem Geist,
ihn nach der Hölle zu fördern. Borgia sank vor Schrecken zusammen, und der
furchtbare Anblick zog ihm eine Krankheit zu, die ihn außer alle Tätigkeit
setzte, um alle Früchte seines Frevels brachte, und die schwarzen Taten der
Borgias dienten nur zur Vergrößerung des päpstlichen Stuhls. Der erwürgte und
scheusslich verstellte Papst wurde mit vielem Pomp begraben, und die
Geschichtschreiber, die mit seinem tragischen Ende nicht so bekannt waren, wie
ich es bin, erfanden die Fabel, die einesteils auf Wahrheit gegründet ist, er
und sein Sohn hätten aus Versehen eines Dieners aus einer den Kardinälen
bestimmten vergifteten Flasche getrunken und sich so in ihrem eignen Netze
gefangen.
 
                                  Fünftes Buch
                                       1.
Die scheussliche Anbetung des Papstes, sein schaudervolles Ende, der schreckliche
Anblick des Teufels, den Faust bisher nur unter seiner erhabenen Gestalt gesehen
hatte, machten einen so starken Eindruck auf ihn, dass er von der Villa nach Rom
eilte, aufpacken ließ und mit betäubtem Sinn und klopfendem Herzen davonritt.
Sein Gefühl war durch alles, was er gesehen und beobachtet hatte, so stumpf
geworden, dass er, der so kühn war, dem Ewigen in seinem Innern zu trotzen, es
kaum wagte, dem Teufel, den er noch sklavisch beherrschte, in die Augen zu
sehen. Menschenhass, Menschenverachtung, Zweifel, Gleichgültigkeit gegen alles,
was um ihn geschah, Murren über die Unzulänglichkeit und Beschränktheit seiner
physischen und moralischen Kräfte waren die Ernte seiner Erfahrung, der Gewinn
seines Lebens; aber noch weidete er sich an dem Gedanken, dass ihn das, was er
gesehen, zu diesen widrigen Empfindungen berechtigte und dass entweder keine
Verbindung auf Erden zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer sei oder doch der
Faden, der ihn mit demselben verbände, so verworren und zweideutig durch dieses
Labyrinth des Lebens liefe, dass ihn das Auge des Menschen nicht entdecken, viel
weniger eine gute Absicht dabei wahrnehmen könnte. Noch schmeichelte er sich in
seinem Wahne, seine Verirrungen seien in der ungeheueren Masse der Greuel der
Erde wie ein Tropfen Wassers,
