 von
dem Menschengeschlecht abgewandt, und sind sie deiner Rache so wenig mehr wert
wie deiner väterlichen Fürsorge?«
    Der Teufel lachte über diese Standrede und führte den Entflammten in das
Vatikan, wo sie den Papst in großer Freude über das Glück seiner Waffen
antrafen. Er hatte schon die Befehle gegeben, die übrigen der Orsinis, den
Alviano, Santa Croce, die sonstigen Kardinäle und Erzbischöfe in die Falle zu
locken, und wartete mit Ungeduld auf den Ausgang. Ganz Rom eilte zum Glückwunsch
herbei. Die Bezeichneten wurden im Vatikan festgenommen, nach verschiedenen
Gefängnissen gebracht und heimlich hingerichtet, während die Trabanten des
Papsts ihre Paläste plünderten. Der Kardinal Orsini ward allein nach der
Engelsburg gebracht und ihm die ersten Tage erlaubt, sich aus der Küche seiner
Mutter besorgen zu lassen; da aber der Papst hörte, dass er seit seiner
Gefangenschaft einen Weinberg für zweitausend Scudis verkauft hätte und eine
wegen ihrer außerordentlichen Größe sehr kostbare Perle besäße, so entzog er ihm
diese Gunst. Die Mutter der einst großen und blühenden Orsinis hüllte sich in
Mannskleider, überbrachte dem Papst die zweitausend Scudis und die Perle, er
nahm sie mit der Rechten und gab mit der Linken das Zeichen zur Hinrichtung des
Kardinals. Dieser Zug machte Fausten so wahnsinnig, dass der Teufel allen seinen
Witz brauchte, um ihn zu Verstand zu bringen. Er forderte nicht weniger von ihm,
als das ganze Vatikan mit allen Borgias zu zertrümmern und die Menschheit an den
Ungeheuern zu rächen.
    Der Teufel anwortete: »Faust, ich wollte, aber es gelang mir nicht.«
    FAUST: Ha, wie?
    TEUFEL: Erinnerst du dich der Gefahr Alexanders vor kurzem?
    FAUST: Ich tue es, denn ich wütete gegen den rettenden Zufall, der den
rächenden Zufall fruchtlos machte.
    TEUFEL: Zufall! rettender Zufall! rächender Zufall! Was denkst du unter
diesem schallenden Geprassel von Worten? Und was für eine Art von Philosoph bist
du, wenn du etwas darunter denken kannst? O der Menschen! o der Vernunft! Nein,
Faust, ich war der rächende Zufall, um mich deiner hohen Gunst zu empfehlen,
denn du wirst dich erinnern, dass du mir auftrugst, ihn zu verderben; aber der
rettende Zufall kam von einer Hand, deren Macht ich in diesem Augenblick noch
bebend fühle.
    FAUST: Höllischer Gaukler! warte, ich will dich Besessnen exorzieren. -
Welche gefährliche Schlingen wirfst du nun wieder um mein törichtes Herz?
    TEUFEL: Schlingen? Ich? Dir? Tor, spinnt sie nicht dein Herz aus seinen
eignen Händen? Sei stolz darauf, dass deine Weisheit und Torheit dein eigenes Werk
seien, ich bin nicht so vermessen, mich meines Einflusses da zu rühmen, wo man
seiner so wenig bedarf. - -
