 werden Verbrecher
mit Lastern besudelt herunterfahren sehen, wofür wir bis jetzo weder Namen noch
Strafe haben. Schon seh ich sie den päpstlichen Stuhl anfallen, der das lockre
Gebäude durch List und Betrug zusammenhält, während er sich durch Laster und
Üppigkeit selbst untergräbt. Die Stützen der uns fürchterlichen Religion stürzen
zusammen, und wenn der Ewige dem sinkenden Gebäude nicht durch neue Wunder zu
Hilfe eilt, so wird sie von der Erde verschwinden, und wir werden nochmals in
den Tempeln als angebetete Götter glänzen. Wo bleibt der Geist des Menschen
stehen, wenn er angefangen hat, das zu beleuchten, was er als Heiligtum verehrt
hat? Er tanzt auf dem Grabe des Tyrannen, vor dem er noch gestern gezittert,
zerschlägt gänzlich den Altar, auf dem er geopfert hat, wenn er einmal
unternimmt, dem Weg zum Himmel auf seine Weise nachzuspähen. Wer mag ihren
rastlosen Geist auf Jahrtausende fesseln? Vermag der, der sie geschaffen, nur
einen sich so zuzueignen, dass er nicht millionenmal unserm Reiche näher als dem
seinen sei? Alles missbraucht der Mensch, die Kraft seiner Seele und seines
Leibes, alles, was er sieht, hört, betastet, fühlt und denkt, womit er spielt
und womit er sich ernstaft beschäftigt. Nicht zufrieden, das zu zertrümmern und
zu verunstalten, was er mit den Händen lassen kann, schwingt er sich auf den
Flügeln der Einbildungskraft in ihm unbekannte Welten und verunstaltet sie
wenigstens in der Vorstellung. Selbst die Freiheit, ihr höchstes Gut, wenn sie
auch Ströme Bluts dafür vergossen, verkaufen sie für Gold, Lust und Wahn, wenn
sie dieselbe kaum gekostet haben. Des Guten unfähig, zittern sie vor dem Bösen,
häufen Greuel auf Greuel, ihm zu entfliehen, und zerschlagen dann ihrer Hände
Werk.
    Nach den blutigen Kriegen werden sie, vom Morden ermüdet, einen Augenblick
rasten, und der giftige Hass wird sich nur in heimlichen Tücken zeigen. Einige
werden diesen Hass unter dem Schatten der Gerechtigkeit zum Rächer des Glaubens
machen, Scheiterhaufen errichten und die lebendig verbrennen, die nicht ihrer
Meinung sind. Andere werden anfangen, die unerklärbaren Verhältnisse und dunkle
Rätsel zu benagen, und die zur Finsternis Gebornen werden verwegen um Licht
kämpfen. Ihre Einbildungskraft wird sich entflammen und tausend neue Bedürfnisse
erschaffen. Wahrheit, Einfalt und Religion werden sie mit Füßen treten, um ein
Buch zu schreiben, das einen Namen mache und Gold einbringe. Ja so weit wird
dieses aufgeblasene Geschlecht hierinnen den Wahnsinn treiben, dass sogar ihre
Weiber - hört es alle, ihr Kräfte und Geister der Hölle! - dass sogar ihre Weiber
Bücher schreiben werden. Ihr kennt die eitlen Töchter Evas, und ich brauche euch
nicht zu sagen, was dieses für verzerrte Ungeheuer aus ihnen machen muss. So
