 empörte ihn, ob er gleich weder
Kraft noch Willen hatte, einer seiner Neigungen zu widerstehen. Gewöhnlich
endigte er mit dem Ausruf: »Wie ist es möglich, dass ein solches Ungeheuer Papst
werden konnte.«
    Der Teufel, der genau wusste, wie es bei seiner Wahl zugegangen (denn einer
der Fürsten der Hölle war damals im Konklave), erzählte ihm:
    Wie Alexander als Vizekanzler des päpstlichen Stuhls die Stimmen der
Kardinäle gekauft und wie er diese, nachdem er seinen Zweck erhalten und sie ihn
an die Erfüllung seines Versprechens erinnert, teils verjagt, teils unter
verschiednem Vorwand auf die grausamste Art habe hinrichten lassen.
    FAUST: Dass sie schlecht genug waren, ihn zum Papst zu machen, begreife ich,
aber wie sie ihn ertragen, dies geht über meine Fassung.
    TEUFEL: Die Römer sind sehr wohl mit ihm zufrieden. Er sorgt für den Pöbel,
mordet, plündert die Großen und wird durch seine Verbrechen den päpstlichen
Stuhl mehr in die Höhe bringen als alle seine Vorgänger. Können sie wohl einen
bessern Papst wünschen als einen, der ihre Laster durch sein eigenes Beispiel
heiligt? der ihnen noch über die Indulgenzen durch seine Taten beweist, dass der
Mensch vor keiner Sünde erschrecken muss?
                                      12.
Der Papst hatte seinen ältesten Bastard Francisco in einem Konsistorium zum
General des heiligen Stuhls gemacht, und der Kardinal fasste in demselben
Augenblick den Entschluss, seinen Bruder auf die Seite zu schaffen, um seinem
Ehrgeiz ein weiteres Feld zu eröffnen. Seine Mutter Vanosa hatte ihm vertraut,
die Absicht des Papsts sei, dem Herzoge auf den Ruinen der Fürsten Italiens
einen Thron zu errichten und durch ihn als den Erstgebornen alle die Anschläge
zur Vergrößerung seiner Familie auszuführen. Der Kardinal, der die Meuchelmörder
zu Hunderten in seinem Solde hatte, ließ seinen getreuen Dom Michellotto
aufsuchen und hielt folgende Rede an ihn:
    »Wackrer Michellotto, es sind nun schon fünf Jahre, dass mein Vater auf dem
päpstlichen Stuhl sitzt, und noch bin ich das nicht, was ich sein könnte, wenn
wir unsre Geschäfte etwas klüger betrieben hätten. Er hat mich zum Erzbischof,
endlich zum Kardinal gemacht; aber was ist dieses für einen nach Taten und Ruhm
strebenden Geist? Kaum reichen meine Einkünfte zu dem Nötigen hin, und ich bin
unvermögend, Freunde, die mir wesentliche Dienste tun, nach dem Wunsche meines
Herzens zu belohnen. Bist du, Michellotto, nicht selbst ein Beweis davon? Sage,
hab ich etwas von der großen Schuld abtragen können, die deine Dienste an mich
einfordern können? Sollen wir denn immer nur stillesitzen und abwarten, bis
Glück oder Zufall etwas für die tun wollen, die es nicht wagen, sich zu ihrem
Herrn und Meister zu machen? denkst du, ein Leben
