 auf Jahrhunderte befördern. Von Tränen der
Jungfrauen, die den Verlust ihrer Keuschheit beweinen und sich mit noch nassen
Augen prostituieren. Zu diesen hatte man Tränen begünstigter Großen gegossen,
die in Ungnade gefallen sind und nun weinen, dass sie unter dem Schutz ihres
Herrn nicht mehr rauben und unterdrücken können.
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Als nun diese Elenden die Tische besorgt hatten und so demütig hinter den Sitzen
ihrer Gebieter stunden als ein Teutscher vor einem Fürsten, so traten die Großen
der Hölle aus den Gemächern des Satans. Die Gefährten der Menschen - die Sünde,
das scheussliche Gespenst der Vernichtung, der Hunger, die Krankheit, die Pest,
der Krieg, die Ungerechtigkeit, die Armut, die Verzweiflung, die Herrschsucht,
die Gewalt, der Stolz, die Verachtung, der Reichtum, der Geiz, die Wollust, der
Wahn, der Neid, die Neugierde und die Lüsternheit gingen als wohlbestallte
Furiere des satanischen Hofes voraus. Ihnen folgten Trabanten, diesen die
Kammerherren. Nun die Pagen mit brennenden Fackeln, die aus Seelen der Mönche
geflochten waren, die den Weibern die Kinder machen und den Ehemann auf dem
Todbette drängen, sein Vermögen der Kirche zu vermachen, ohne Rücksicht, dass
ihre eigne ehebrecherische Brut im Lande herumbetteln muss. Dann trat der
mächtige Satan heraus, und ihm folgten die übrigen Großen seines Hofs nach Gunst
und Rang. Die Teufel beugten sich ehrfurchtsvoll nieder, die Pagen stellten die
Fackeln auf den Tisch des Großherrn, und nun stieg er mit stolzer und
siegreicher Miene auf seinen erhabenen Thron und hielt folgende Rede:
    »Fürsten, Mächtige, unsterbliche Geister, seid mir alle willkommen! Wollust
durchglüht mich, wenn ich über euch zahllose Helden hinblicke! Noch sind wir,
was wir damals waren, da wir zum erstenmal in diesem Pfuhl aufwachten, zum
erstenmal uns sammelten. Nur hier herrscht ein Gefühl, nur in der Hölle herrscht
Einigkeit, nur hier arbeitet jeder auf einen Zweck. Wer über euch gebietet, kann
leicht den einförmigen Glanz des Himmels vergessen. Ich gestehe, wir haben viel
gelitten und leiden noch, da die Ausübung unsrer Kräfte von dem beschränkt ist,
der uns mehr zu fürchten scheint als wir ihn; aber in dem Gefühl der Rache, die
wir an den Söhnen des Staubs, seinen schwachen Günstlingen, nehmen, in der
Betrachtung ihres Wahnsinns und ihrer Laster, wodurch sie unaufhörlich seine
Zwecke zerrütten, liegt Ersatz für dieses Leiden. Heil euch allen, die dieser
Gedanke hoch entflammt!
    Vernehmt nun die Veranlassung zu dem Feste, das ich heute mit euch feiern
will. Faust, ein kühner Sterblicher, der gleich uns mit dem Ewigen hadert und
durch die Kraft seines Geistes würdig werden kann, die Hölle einst mit uns zu
bewohnen, hat die Kunst erfunden
